Die Deflationsangst ist da

16. August 2010, 16:25
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Die Federal Reserve zweifelt am Wachstum und die Investoren an Bernankes Versprechen, dass die Geldpolitik die Deflation abwenden kann.

Die Kapitalmärkte stellen sich auf den kalten Winter ein – die Deflation ist längst kein fernes Szenario mehr, oder einfach die japanische Krankheit. Inflationserwartungen für die USA sind gemessen an den inflationsgeschützten Anleihen in den vergangenen Wochen stark gesunken, ebenso wie die Zinsen auf Staats- und Unternehmensanleihen. Inflationsgeschützte Anleihen handeln im Fünf-Jahres-Bereich sogar mit einem negativen realen Zinssatz (siehe Grafik). Die jüngsten negativen Aussagen der US-Notenbank haben die Anleger in sichere Häfen getrieben, und eben ihre Erwartungen, gerade was ein mögliches Fallen des Preisniveaus (also Preisdeflation) betrifft, massiv eingetrübt.

Das Szenario mit einer negativen Teuerungsrate wird jedenfalls von immer mehr Investoren einpreist. Nicht nur ein kurzer (mitunter statistischer) Deflationsschub wird erwartet, sondern mitunter auch eine längeranhaltende Deflation. Und während dabei eine gesunde Skepsis angebracht ist, was die jüngste Bewegung auf den inflationsgeschützten Anleihenmärkten betrifft (siehe auch Felix Salmon), zeigt sie doch zeigt sehr stark, dass die US-Wirtschaft mit einem Problem zu kämpfen hat: die Inflationserwartungen sind der Fed davongelaufen. Im Geldpolitiksprech: sie sind nicht mehr gut verankert, „well anchored“. Denn Investoren von der Anleihen- und der Aktienseite wappnen sich mit einkommensstarken Titeln vor der Deflation (WSJ), denn sie befürchten womöglich die Schulden-Deflation nach Fisher.

Doch auch ein Blick auf die Geldmenge zeigt, dass ein deflationäres Umfeld womöglich gar nicht so weit weg ist. In der Eurozone ist die breite Geldmenge M3 einzig aufgrund der ausufernden Staatsfinanzen noch etwas gewachsen, das Kreditwachstum an private ist hingegen von einem jährlichen Anstieg von 1,2 Billionen Euro auf 0 kollabiert (siehe Grafik).

Ben Bernanke wird also in den kommenden Jahren weiter bemüht sein, das Schreckensszenario einer Schulden-Deflation (der Debt-Deflation) für die USA zu verhindern. Denn schließlich war er es, der in einer viel zitierten Rede mit dem Namen „Deflation: Making sure „it“ doesn’t happen here“ (Fed), die Notenbanker der Federal Reserve darauf eingeschworen hat, die Deflation mit allen Mitteln zu vermeiden. Kein Wunder also, dass US-Ökonomen wie Jan Hatzius von Goldman Sachs erwarten, dass Bernanke, sofern die Nachrichten aus der US-Wirtschaft nicht bald auf mehr Wachstum deuten, zu „Quantitative Easing 2.0“ greifen wird. Die Frage bleibt aber, wer außer den Besitzern von Anleihen von dem neuen QE profitieren kann, wenn die 10-jährigen Staatsanleihenzinsen mit 2,6% bereits niedrig sind und die Spreads auf Unternehmens- und Immobilienanleihen bereits stark eingeengt sind.

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