Kroatische Rechtsextreme griffen TV-Team an

16. August 2010, 12:33
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Niemand schritt ein, keine Festnahmen - Reporter ohne Grenzen fordert Positionierung von EU-Bewerber Kroatien

Rund 20 Rechtsradikale haben ein zweiköpfiges Team des staatlichen kroatischen Rundfunks HRT am 5. August tätlich angegriffen, während diese eine nationalistische militärische Gedenkfeier aufzeichneten. Das berichtete die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) am Montag in einer Aussendung. Der HRT-Reporter und sein Kameramann wurden demnach über eine Stunde beschimpft, bedroht und mit Steinen beworfen.

Eingeschritten seien weder die Organisatoren der Kundgebung noch der anwesende Zagreber Bürgermeister Milan Bandic. Die Polizei sei zwar gekommen, es habe aber keine Festnahmen gegeben. "Ein Land, das auf einen Beitritt zur Europäischen Union hofft, muss sich bestimmter gegen mediale Angriffe dieser Art positionieren", erklärte Reporter ohne Grenzen zu dem Angriff auf das Fernsehteam.

Zugetragen hat sich der Angriff demnach im Dorf Cavoglave, dem Geburtsort des rechtsgerichteten Sängers Marko "Thompson" Perkovic. Dessen Fans huldigten laut ROG dort der faschistischen Ustascha-Bewegung, und sie feierten den 15. Jahrestag der "Operation Oluja".

Unter dem Ustascha-Regime, das während des Zweiten Weltkriegs in Kroatien herrschte, kam es zu Deportationen in Konzentrationslager, Vertreibungen und Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Im Zuge der "Operation Oluja" (Operation Sturm) eroberten die kroatischen Streitkräfte 1995 im Krieg beim Zerfall Jugoslawiens die Krajina von den Serben zurück. (APA)

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