Strom- und Gaspreise stark gestiegen

16. August 2010, 15:32
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Energielieferanten bei Preissenkungen säumig - AK: Liberalisierung brachte nicht die versprochenen Vorteile

Wien - Lieferanten von Strom und Gas geben Preissenkungen oft nur zögerlich oder gar nicht an die Konsumenten weiter - so lautet das Resümee der Arbeiterkammer (AK), die die Österreichische Energieagentur (AEA) mit einer entsprechenden Studie beauftragt hatte. 14 Strom- und elf Gasanbieter wurden dafür zwischen Juli 2008 und Juni 2010 unter die Lupe genommen, um deren Preisentwicklungen für Haushalte mit den Großhandelspreisen (ÖSPI und ÖGPI) zu vergleichen. Überprüft wurden die reinen Arbeitspreise, also etwa ohne Rabatte oder Netz, für einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden für Strom und 15.000 Kilowattstunden für Gas.

Während der Großhandelspreisindex für Strom (ÖSPI) im oben genannten Zeitraum um mehr als ein Fünftel gefallen ist, stiegen die Strompreise für die Haushalte (EPI) im gleichen Zeitraum um durchschnittlich um 5,5 Prozent. Nur die Kärntner (KELAG und Energie Klagenfurt) und steirischen Energieversorger (STEWAG-STEG und Energie Graz) haben ihre Preise nicht angehoben, so die AK.
Die Preissteigerungen bis Jänner 2009 an der Strombörse (EEX) in Leipzig wurden an die Haushalte weitergegeben. Seit Juni 2009 fallen die Großhandelspreise, was allerdings die Stromlieferanten bis jetzt "kalt ließ", so die Studienautoren. Ein Haushaltskunde der oberösterreichischen Energie AG zahle für seinen durchschnittlichen Jahres-Stromverbrauch (3.500 Kilowattstunden) somit heuer um 63 Euro mehr als noch vor zwei Jahren.

Auch Gaspreise zu hoch

Wie die Studie weiter zeigt, sind auch die Gaspreise für die Konsumenten zu wenig gefallen. So ist der Referenz-Großhandelspreisindex für Gas (ÖGPI) zwischen Juli 2008 und Juni 2010 um fast ein Fünftel gesunken, während in diesem Zeitraum die Gas-Arbeitspreise für Haushalte (EPI) um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen sind.

"Erst Anfang des Jahres wurden die Preisvorteile zögerlich weitergegeben. Nur die VEG Vorarlberger Erdgas, die burgenländische BEGAS und Wien Energie senkten die Preise für ihre Kunden", sagt AK-Expertin Dorothea Herzele. Die Kärntner KELAG und die Energie Klagenfurt haben ihre Gaspreise nicht angehoben. Alle anderen Gasanbieter haben ihre Preise teilweise signifikant erhöht. Ein Tiroler Gas-Haushalt zahlte etwa für einen Durchschnittsverbrauch (15.000 Kilowattstunden) im heurigen Juni um 130 Euro mehr als vor zwei Jahren - und das trotz sinkender Großhandelspreise.

"Generell zeigt sich, dass die Marktliberalisierung und die freie Preisgestaltung nicht die Vorteile für die Konsumenten brachten, die versprochen wurden", schließt Herzele aus den Daten. Die AK verlangt daher, dass die Anbieter die Preissenkungen an die Konsumenten weitergeben. Außerdem rät die AK den Konsumenten, die Strom- und Gaspreise im Internet mit dem Strom- und Gaspreisrechner unter www.arbeiterkammer.at zu vergleichen.

E-Wirtschaft: "Verzerrtes Bild"

Die E-Wirtschaft wirft der Arbeiterkammer vor, mit ihrer Studie "ein völlig verzerrtes Bild" zu zeichnen. Der Beobachtungszeitraum (Juli 2008 bis Juni 2010) der Studie sei "willkürlich gewählt", kommentiert der oberösterreichische Versorger Energie AG das Studienergebnis. Der Untersuchungszeitraum müsse mit dem Jahr 2006 beginnen, als der Strompreis deutlich unter dem Niveau vom Spitzenjahr 2008 lag, sagte der Sprecher des Branchenverbands Österreichs Energie, Ernst Brandstetter. (red)

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Die Studie auf der Website der Arbeiterkammer

  • Preissteigerungen werden rasch weitergegeben, Preissenkungen kaum bis gar nicht, kritisiert die AK.
    foto: apn/pfeil

    Preissteigerungen werden rasch weitergegeben, Preissenkungen kaum bis gar nicht, kritisiert die AK.

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