Wifo fordert mehr Frauenerwerbstätigkeit

16. August 2010, 11:42
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Maßnahmen wie die Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten begünstigten tendenziell höhere Einkommensschichten

Wien - Am Montag hat das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Zusammenhang mit Familienleistungen mehr Sachtransfers, eine Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit und eine Vereinfachung des Systems gefordert. Einmal mehr empfahl das Institut etwa einen Ausbau der Kinderbetreuung. Das Familienpaket im Rahmen der Steuerreform 2009 könne dem Ungleichgewicht zwischen monetären und realen Transfers nicht entgegenwirken, einige Maßnahmen wie die Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten begünstigten außerdem tendenziell höhere Einkommensschichten.

Die Familienleistungen in Österreich seien 2005 mit rund 2,9 Prozent des BIP im internationalen Vergleich relativ hoch gewesen, so das Wifo in einer Aussendung. Monetäre direkte und indirekte Transfers würden deutlich gegenüber den Realtransfers überwiegen.

Schwerpunkt auf die Förderung der Frauenerwerbstätigkeit

Das Familienpaket im Rahmen der Steuerreform 2009 mit einem Volumen von rund 510 Mio. Euro pro Jahr könne dem bestehenden Ungleichgewicht zwischen Geld- und Sachleistungen nicht entgegenwirken, stellte das Wifo fest. Die Einführung neuer Instrumente, besonders im Bereich der monetären Transfers, erhöhe überdies "die bereits erhebliche Komplexität" des Systems.

Das Paket lege einen Schwerpunkt auf die Förderung der Frauenerwerbstätigkeit, vor allem durch den Arbeitgeberzuschuss zur Kinderbetreuung, den Kinderfreibetrag und die steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten. Der Arbeitgeberzuschuss und der erhöhte Kinderabsetzbetrag unterstützten die Umverteilung zugunsten einkommensschwächerer Familien, so das Wifo. Die Aufstockung des Unterhaltsabsetzbetrages, der Kinderfreibetrag, aber auch die Absetzbarkeit der Betreuungskosten begünstigten hingegen tendenziell höhere Einkommensschichten. Zur Verringerung der Kinderarmut würden die Maßnahmen außerdem wenig beitragen.

Kritisiert wird seitens des Wifo weiters, dass etwa der Alleinverdienerabsetzbetrag negative Anreize für die Aufnahme oder Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit von Zweitverdienenden, in der Regel Frauen, setze. Zumindest müsse die Treffsicherheit des Alleinverdienerabsetzbetrages erhöht werden, indem er nur Familien mit Kindern gewährt werde, empfahl das Institut abermals.

Aktuelle Bemühungen reichen nicht aus

Negative Arbeitsanreize für Mütter setzten außerdem die Pauschalvarianten des Kindergeldes - das Wifo plädiert deshalb immer noch dafür, vor allem die längste Variante (30+6 Monate mit 436 Euro/Monat) abzubauen. Dies gehe aber nur in Kombination mit einem quantitaiven und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung, betonte Wifo-Expertin Hedwig Lutz. Gerade im Bereich der Unter-Dreijährigen sowie der Nachmittags- und Ferienbetreuung von Schulkindern würden die aktuellen Bemühungen nicht ausreichen - "vielmehr sind über die geplanten Investitionen hinaus weitere Ressourcen in diesen Bereich zu lenken".

Um die Komplexität der Familienleistungen zu verringern, schlägt das Institut vor, etwa die Familienbeihilfe, den Kinderabsetzbetrag und den Kinderfreibetrag zu einer einzigen einkommensunabhängigen Transferleistung zusammenzufassen. (APA) 

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