Außenseitersieg und lahmer Woods

16. August 2010, 16:08
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Deutscher Kaymer gewann 92. US PGA-Championship - Woods bleibt trotz Platz 28 Nummer eins der Weltrangliste

Kohler/Wisconsin - 17 Jahre nach Bernhard Langer jubelt Golf-Deutschland wieder über einen Major Sieger. Der erst 25-jährige Martin Kaymer gewann am Sonntag (Ortszeit) dank Glück, Können und guter Nerven in Kohler/Wisconsin die 92. US PGA-Championship und damit das vierte und letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres 2010. Während Kaymer damit der bereits sechste Premieren-Sieger in den vergangenen sieben Majors ist, blieb Tiger Woods wie im Vorjahr ohne großen Titel. Platz 28 reichte aber, um die Spitze der Weltrangliste erfolgreich zu verteidigen.

Auch deshalb, weil Konkurrent Phil Mickelson über Platz zwölf nicht hinauskam. Aber arrivierte Asse wie Woods und Mickelson spielten am packenden Schlusstag des mit 7.5 Mio. Dollar dotierten Major-Turniers auf dem schwierigen Kurs in Whistling Straits am Lake Michigan ohnehin nicht die Hauptrollen. Die gehörten bei der Meisterschaft der US-Profigolfer-Vereinigung Spielern wie Kaymer, dem schlaksigen Longhitter Bubba Watson, aber auch dem schön langsam zum Dauer-Pechvogel werdenden Dustin Johnson (USA).

Letzterer hatte schon im US Open in Pebble Beach am Schlusstag seinen ersten Major-Sieg vergeigt. Am Sonntag ging Johnson als Führender auf das Schlussloch, spielte dort zwar nur Bogey, wähnte sich aber dennoch fix im Dreier-Playoff gegen Kaymer und Watson.

Nach langen Diskussionen erhielt er aber nachträglich zwei Strafschläge, weil er zuvor den Schläger in einem Bunker aufgesetzt hatte. Dass die von den Zuschauern zertrampelte Stelle, von der Johnson den Ball geschlagen hatte, einer der rund 1.200 Bunker auf diesem Platz gewesen war, hatte zunächst niemand vermutet. Schlimmer wäre wohl nur gewesen, wenn Johnson den relativ leichten Par-Putt verwandelt und sich sogar schon als "Sieger" gefühlt hätte.

So gingen nur der clever und sicher spielende Kaymer sowie Watson auf die drei Extralöcher. Linkshänder Watson, der nach 16 Löchern der letzten Runde schon auf dem Weg zum Sieg schien, ehe er mit einem Bogey an der 17 wieder die Tür für Kaymer geöffnet hatte, legte mit Birdie vor. Kaymer konterte mit Birdie und an der entscheidenden 18 genügte dem jungen Deutschen ein Bogey zum ersten Major-Sieg und dem Gewinn von über einer Million Dollar Preisgeld. Auch seinen Platz im europäischen Ryder-Cup-Team, das Anfang Oktober in Wales gegen die USA antritt, hat er nun sicher.

"Ich kann das noch nicht realisieren. Ich habe mein erstes Major gewonnen, dabei bin ich erst seit vier Jahren auf der Tour. Ich habe Gänsehaut", sagte Jungstar Kaymer, nachdem er die begehrte Wanamaker-Trophy gestemmt und sich auch in der Geldrangliste (Race to Dubai) an die Spitze gesetzt hatte. Österreichs Martin Wiegele hatte Kaymer schon vor Jahren Rosen gestreut. "Als ich ihn erstmals auf der Challenge-Tour gesehen habe, habe ich sofort gesagt, der wird mal Top Ten", hatte Österreichs derzeitige Nummer eins schon 2008 über den Deutschen geschwärmt und Kaymer sogar als potenzielle Nummer eins eingestuft, "wenn Woods nicht mehr spielt."

Damals hätte sich Wiegele den Absturz von Woods nicht träumen lassen. Platz 28 für den gestrauchelten Star ist zwar nicht schlecht, die direkte Ryder-Cup-Qualifikation hat er aber im Gegensatz zu Watson oder Johnson verpasst und muss daher auf Gnade von Kapitän Corey Pavin hoffen. "Er wird mich anrufen", war Woods überzeugt.

Der Strahlemann des Augenblicks ist aber ohnehin der eher introvertierte Kaymer. Erst Ende 2005 war der gebürtige Düsseldorfer ins Profilager gewechselt, schon im Jänner 2008 hatte er in Abu Dhabi den ersten seiner mittlerweile sechs Siege auf der Europa-Tour gefeiert und war in der Weltrangliste schnell in die Top-10 geschossen. Der 1,84 m große Kaymer, der nun hauptsächlich auf der US-Tour spielen wird, ist nun auch der zweite deutsche Major-Sieger nach Bernhard Langer. Der deutsche Altmeister hatte 1985 und 1993 das Masters in Augusta gewonnen. (APA)

Endstand der 92. US PGA Championship in Kohler/Wisconsin (7,5 Mio Dollar/Par 72) nach der Schlussrunde am Sonntag:

1. Martin Kaymer (GER) 277 (72/68/67/70) Sieger im Stechen über 3 Löcher (11:12 Schläge) - 2. Bubba Watson (USA) 277 (68/71/70/68) - 3. Zach Johnson (USA) 278 (69/70/69/70) und Rory McIlroy (GBR) 278 (71/68/67/72) - 5. Dustin Johnson (USA) 279 (71/68/67/73), Steve Elkington (AUS) 279 (71/70/67/71) und Jason Dufner (USA) 279 (73/66/69/71) - 8. Camilo Villegas (Kol) 280 (71/71/ 70/68) und Liang Wenchong (CHN) 280 (72/71/64/73) - 10. Matt Kuchar (USA) 281 (67/69/73/72) und Jason Day (AUS) 281 (69/72/66/74) - 12. Phil Mickelson (USA) 282 (73/69/73/67), Paul Casey (GBR) 282 (72/71/ 70/69), Simon Dyson (GBR) 282 (71/71/68/72) und Bryce Molder (USA) 282 (72/67/70/73). Weiter: 28. u.a. Tiger Woods (USA) 286 (71/70/72/73)

Weltrangliste vom 15. August 2010:

1. Tiger Woods (USA) 9,568 Durchschnittspunkte - 2. Phil Mickelson (USA) 9,076 - 3. Lee Westwood (GBR) 8,875 - 4. Steve Stricker (USA) 7,374 - 5. Martin Kaymer (GER) 6,705 - 6. Jim Furyk (USA) 6,693 - 7. Rory McIlroy (GBR) 5,982 - 8. Ernie Els (RSA) 5,641. Weiter: 241. Martin Wiegele (AUT) 0,775 - 310. Bernd Wiesberger (AUT) 0,55 - 413. Markus Brier (AUT) 0,37

Stichwort Major:

Von Januar bis Dezember ziehen die besten Golfer von Turnier zu Turnier, doch es gibt vier Termine, die haben sich alle im Kalender rot angestrichen: das US Masters, die US Open, die British Open und die US-PGA-Championship.

Diese prestigeträchtigen vier Turniere,  Majors genannt, sind vergleichbar mit den Grand-Slam-Turnieren im Tennis. Den Auftakt macht im April traditionell das US Masters in Augusta, das als einziges Major immer auf demselben Platz stattfindet. Im Juni folgen die US Open, ehe im Juli die British Open anstehen. Das einzige Major außerhalb der USA wurde erstmals 1860 ausgespielt und ist damit die älteste der vier Veranstaltungen. Den Abschluss bildet im August die US-PGA-Championship, die heuer in Kohler ausgespielt wurden.

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    Martin Kaymer stahl den Stars die Show.

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