No-Angels-Sängerin gestand ungeschützten Sex

16. August 2010, 13:11
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Aber sie zeigt Reue: "Es tut mir von Herzen leid"

Darmstadt - Im Prozess gegen die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hat die Sängerin gestanden, trotz einer ihr bekannten HIV-Infektion ungeschützten Sex gehabt zu haben. "Es tut mir von Herzen leid", sagte die 28-Jährige vor dem Amtsgericht Darmstadt. Sie ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt, weil sie ihre Partner über die Infektion nicht informiert und ein Mann sich dabei angesteckt haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft Benaissa vor, in den Jahren 2000 bis 2004 in insgesamt fünf Fällen mit drei Männern ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, ohne diesen ihre HIV-Infektion zu offenbaren. Dabei soll sich im Jahr 2004 ein Mann angesteckt haben, der in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt. Sie selbst erfuhr im Jahr 1999 von ihrer Infektion. Der Popstar wurde im April vergangenen Jahres festgenommen und saß danach zehn Tage in Untersuchungshaft.

Benaissa: "Das war ein großer Fehler"

In einer von ihrem Anwalt Oliver Wallasch verlesenen Erklärung räumte Benaissa die Vorwürfe im Wesentlichen ein. Ihr sei nach ihrer Festnahme deutlich vor Augen geführt worden, "dass mein bisheriger Umgang mit der Krankheit falsch gewesen ist." Sie sei mit dem bestehenden Restrisiko einer Ansteckung von Sexual-Partnern im Rückblick "mehr als fahrlässig" umgegangen. Sie habe ihre eigene Verantwortung vernachlässigt, "das war ein großer Fehler von mir". Sie habe aber niemals die Absicht gehabt, jemanden mit dem HI-Virus zu infizieren, sagte Wallasch.

Erfuhr bereits mit 16 von ihrer HIV-Infektion

Benaissa erfuhr nach eigenen Angaben im Alter von 16 Jahren im dritten Schwangerschaftsmonat, dass sie HIV-positiv ist. Sie weiß demnach aber nicht, bei wem sie sich angesteckt hat. Sie habe nie nach einem Schuldigen gesucht, sagte die junge Mutter einer Tochter. Sie war 2001 als Mitglied der Mädchenband "No Angels" schlagartig berühmt geworden. Die Gruppe war aus der ersten Staffel der Casting-Show "Popstars" hervorgegangen. Nach einer Trennung der Gruppe kam es 2007 zu einem Comeback. Zuletzt kamen Meldungen über einen Ausstieg Benaissas aus der Mädchenband auf, die ihr Management nicht kommentieren wollte.

Benaissa führte ihr Schweigen über die Infektion auch darauf zurück, dass ihr Umfeld bei den "No Angels" darauf bestanden habe. Es bestand demnach die Auffassung, dass eine Offenlegung das Ende der Karriere bedeuten würde. Die anderen Bandmitglieder habe sie aber über die Infektion informiert, sagte Wallasch. Benaissa berichtete zudem von Erpressungsversuchen. So sei ihr unter anderem gedroht worden, dass eine große Zeitung darüber berichten werde.

Opfer forderte Benaissa auf, für Aids-Stiftung zu spenden

Jener Mann, der sich bei ihr angesteckt haben soll, erfuhr nach eigenen Angaben im Jahr 2007 von einer Tante Benaissas davon, dass die Sängerin HIV-positiv ist. Danach wurde er ebenfalls positiv getestet. "Du hast so viel Leid in die Welt getragen", sagte er bei seiner Zeugenaussage im Gericht zu Benaissa. Er forderte sie vor dem Prozess nach eigenen Worten auch auf, sich zu outen und für die Aids-Stiftung zu spenden. Er habe das Verfahren nicht gewollt.

Der Prozess vor dem Amtsgericht, bei dem auch die anderen No-Angels-Sängerinnen aussagen sollen, ist zunächst bis zum 26. August terminiert. Dem Popstar drohen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft. Da Benaissa zur Tatzeit erst 17 war, wird in Darmstadt vor dem Jugendgericht verhandelt.

Mehrere Präzedenzfälle

Schon mehrmals sind in Deutschland Personen verurteilt worden, weil sie andere mit HIV angesteckt haben. Das Landgericht München verurteilte im Dezember 2008 einen HIV-Infizierten wegen sexuellen Missbrauchs und gefährlicher Körperverletzung zu zwölf Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung. Der Mann hatte den 14-jährigen geistig behinderten Sohn eines Nachbarn missbraucht und infiziert.

Vom Landgericht Köln wurde im Juni 2007 ein 38-Jähriger acht Jahre lang ins Gefängnis geschickt. Er hatte vier Frauen angesteckt und sogar eine SMS geschrieben: "Viel Spaß mit HIV." (bau, APA/AFP)

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    Benaissa gestand vor Gericht.

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