Kampf der Kulturen

16. August 2010, 16:42
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Für Autofahrer sind Radfahrer ein Feindbild. Weil es immer so verdammt knapp wird, weil man so extrem aufpasssen muss

Es war knapp. Knapp für das Eichhörnchen in der Prater-Hauptallee, knapp für Krone-Redakteur Kurt Seinitz am Ring, knapp für zwei Enten und ein gutes Dutzend japanischer Touristen im Wiener Stadtpark (ungefähr auf der Höhe Strauß-Denkmal). Fast hätte ich sie über den Haufen gefahren.

Ich fahre nämlich seit kurzem Rad. In die Arbeit und wieder zurück. Und das ist gefährlich.

Für Autofahrer sind Radfahrer ein Feindbild. Weil es immer so verdammt knapp wird, weil man so extrem aufpasssen muss: Man will ja niemandem wehtun.

Als Radfahrer wechselt die Perspektive. Feindbild sind aber nicht etwa die Autofahrer, nein, man blickt hinunter auf der Ernährungsstufe. Es sind die Fußgänger. Nicht weil sie gefährlich sind, sondern weil sie sich selbst gefährden. Und im Weg stehen.

Meistens stehen sie am Radweg herum und schauen dumm. In die falsche Richtung. Das gilt ganz besonders für Touristen, die am Ring herumlatschen. Auf dem Radweg selbstverständlich.

Klingeln? Da wird vom Fußgänger bestenfalls die Faust geschwungen, das aber wiederum ist eine Spezialität des Wiener Fußgängers, da sind japanische Touristen ganz zurückhaltend. Und während sich der Japaner im besten Fall mit einer Verbeugung entschuldigt, ruft einem der Wiener in der Regel noch etwas nach, was jetzt nicht ganz druckreif ist.

Dabei haben Radfahrer für Fußgänger prinzipiell Verständnis. Weil sie selbst auch Fußgänger sind und gelegentlich auch auf dem Zebrastreifen stehen. Das verbindet.

Zwischen Radfahrern und Autofahrern wird es aber so bald keine Aussöhnung geben. Da liegen Welten dazwischen, nicht nur PS-mäßig, auch weltanschaulich. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/13.08.2010)

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    Da ist keine Aussöhnung in Sicht.

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