Der Wirt holt aus

    31. August 2010, 17:09
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    Idyll mit Selbstbedienung, und Butter braucht der Knödel - Harald Fidler glüht mit dem ersten Gleinkersee-Duathlon für das Gasthaus Seebauer vor

    Gescheiter wäre es natürlich, diesen kleinen Erlebnisbericht im April zu bringen, besser noch Anfang Mai. Das Gasthaus Seebauer hat ja nur bis Ende September täglich offen, außer bei Schlechtwetter, da ist montags zu, und im Oktober noch an Wochenenden, und auch das nur, wenn der Winter nicht ganz früh hereinbricht über den Gleinkersee. Und dann eben wieder ab Anfang Mai. Kennen Sie nicht, den Gleinkersee? Willkommen im Club.

    Hand anlegen

    Ich kannte nur den Juniorwirten, aus ganz anderem Zusammenhang. Und wusste nur: Wirtshaus an einem See im südlichen Oberösterreich, an der A9, nähe Windischgarsten. Und, was ich noch wusste, oder hörte: Hier legt man noch, wo immer möglich, selbst Hand an. Der Wirt zum Beispiel bei den Knödeln.

    Cholesterinpolizei?

    Ein Viertelkilo Butter auf 16 eigenhändig geknetete Semmelknödel, sagt er heute. Ich hab ein Telefonat in Erinnerung, da war (nach meiner Erinnerung) noch von deutlich mehr Geleitmittel von der Kuh die Rede, aber das bestreitet der Wirt inzwischen. Bammel vor der Cholesterinpolizei?

    "Ist der Schweinsbraten fett?"

    Keine Sorge: Auch ein solchermaßen beinahe als Diätpräparat deklarierter Viertelkiloknödel hat's in sich. Saftig, noch ohne den Saft vom Schweinsbraten, der übrigens eine der beliebtesten Tafelpositionen im Gasthaus Seebauer. Auch wenn die Sau oft erklärt sein will. "Ist der Schweinsbraten fett?", lautet die beliebteste Frage an der Budel. Was antwortet man da?

    Der Wirt holt aus

    Der Wirt holt an dieser Stelle gerne aus. Nicht beleidigt, nicht handgreiflich, keine Sorge. Die Antwort: Sie können natürlich Schwein vom Karree braten. Nur wird das leider ziemlich sicher ziemlich sehr trocken. Oder Sie packen die Gelegenheit beim Schopf. Der ist, jedenfalls bei der Sau, fett. Und saftig. Und gut. Lange, mutmaßlich nicht immer idyllische Versuchsreihen am Ufer des ausgesprochen idyllischen Bergsees ergaben: Schopf. Recht so.

    Könnte gut sein, dass in den nächsten Jahren die Träger dieser Schöpfe eine der Wiesen um den Gleinkersee durchrüsseln. Turopolje-Schweine kamen in die engere Wahl der Wirtsleute. Das Borstenvieh soll auf einer der Wiesen um den See heimisch werden, vielleicht als Nachbarn von Zelt- und Campingbusplatz. Mal sehen, ob das zusammengeht.

    Dümlich rüsseln

    Derzeit rüsseln erst zwei Borstenviecher einen Stock höher durchs Gelände, vor der Dümlerhütte ein Stück über dem Gleinkersee. "Wann gibts Schweinsbraten?" fragt eine Gästin laut über die Terrasse, mit Blick in die zwei Steckdosengesichter. "Zu Weihnachten", sagt der Wirt, und weil er kein Jahr dazu sagt, grunzen die zwei Dicken noch ein bisschen fröhlicher.

    Ein Rind wird wild

    "Wildbeuscherl" steht auf einem der Holzbrettchen, die das Tagesangebot der Dümlerhütte auflisten. Ich bin ja eigentlich nur auf den Berg gegangen, um Platz für Knödel und Schweinsbraten und vielleicht noch ein, zwei weitere Seebauer-Gänge zu schaffen. Aber haben Sie die Härte, ein Wildbeuschel von der Tischkante zu stoßen? Eben.

    Wie gern hätte ich Ihnen aus Bambis Innerstem berichtet. Leider höre ich noch immer zu gut. Der Hüttenwirt erklärt der Kellnerin eine Spur zu laut, dass er kein Wildbeuschel hat, Rindsbeuschel halt. Ich bestelle freundlich ab, bei Rind lass ich dann doch lieber mehr Platz für das längst georderte Seebauerprogramm (Knödel! Butter! Bisweilen gibts übrigens dort auch Kalbsbeuschel). "Kannst schon essen", ruft der Hüttenwirt, "sehr gut", und "ist wie Wild gemacht". Aber: Man muss Prioritäten setzen, am See gibts schließlich sehr ordentliche Portionen, von der Butter gar nicht zu reden.

    Runter, zum Schwein

    Aber, zugegeben: Das wilde Beuschel sieht ausgesprochen gut aus. Und schmeckt offenkundig sowohl Menschen, die es als Wildbeuschel bestellt haben (bevor der Wirt nach meinem Hindundher einen Zettel über "Wild" pickt), wie jenen, die es als "Wildbeuschel vom Rind" ordern. Schön. Spätestens zum Schweinsbraten bin ich wieder hier. Wieder über den Seegraben, an dem für ernste Wanderer jedenfalls aufwärts vom Gleinkersee kein Weg vorbei führt, hinunter kann man ja meinetwegen auch die Variante Präwald wählen.

    Privilegienfidler

    Jetzt aber runter. Präventiv noch eine kleine Seedurchquerung (schwimmend, ich breche ja normalerweise auch kein Brot), und dann das: a) Privilegien pur: Mir wird serviert (was hier sonst nur bei Schlechtwetter vorkommt, bei Seebauer ist Selbstbedienung!), weil ich den Wirt kenne; b) ordere ich aa) Schweinsbraten und ab) Forellenfilet, was mir c) die Frage einträgt, ob ich vielleicht kleine Portionen will. Wozu mach ich hier den Gleinkersee-Duathlon, bitte? Aber okay, die Portionen klingen wirklich groß, also nur ein Filet von der Forelle statt zwei (paarweise kosten sie 10,20 Euro), wie üblich, und ein kleines Schwein (Normalportion: schlanke 8,60).

    Forelle aus dem Abfluss

    Die Forellen, sagt der Wirt, kommen aus dem Gleinkersee, also eigentlich aus seinem Abfluss, was zwar ein bisschen seltsam klingt, aber nur meint, dass sich auch ein See entleert. Direkt drunter werden die Forellen aus dem Wasser geholt, sagt der Wirt, und höchst fachmännisch filetiert, seh ich selbst. Sehr erfreulich, das eine Filet (die Lee-Seite wird schon wegkommen), viel Knofel, und definitiv schöner als mein Hausforellendealer in der Hagenbachklamm sie anbietet, von Filetieren ist bei dem auch keine Rede.

    Her mit dem Hecht!

    Karpfen tummeln sich noch im Gleinkersee, die würde ich auch gerne näher kennenlernen. Vor allem aber den Hecht. Der kommt hier in zweistelligen Kilogrammaturen vor, und wird gelegentlich auch gefangen und gefuttert. Wir haben dafür dem Wirten die Schmecks-Notrufnummer eigenhändig ins 4er-iPhone gespeichert. Sicher ist sicher. Und bitte nicht zuviel Speck drumwickeln. Zur Überbrückung sollte ich endlich wieder einmal zu Herrn Varga fahren. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Sehr erfreulich am Gleinkersee auch ein Import aus der südlicheren Steiermark: Uhudler-Traubensaft von Ploder-Rosenberg. Eine Freude, derzeit aber ausverkauft, bevor Sie jetzt gleich an die Quelle aufbrechen, nach St. Peter am Ottersbach.

    Nicht probiert an der A9, aber hearsay auch ein signature dish des Gasthofs Seebauer: Buchteln. Tagesfrisch. Reservierungen werden angenommen. Und das Tafelspitzsulz hätt ich auch versuchen sollen. Aber, soviel kann ich sagen: Ich war nicht zum letzten Mal da. Schon sehr schön.

    Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Erst wandern und schwimmen, dann futtern: Blick zurück über den Gleinkersee auf den Gasthof Seebauer, zu finden unter http://www.gleinkersee.at - Achtung: nur Mai bis Ende September laufend geöffnet, im Oktober je nach Witterung an Wochenenden.
      foto: fidler

      Erst wandern und schwimmen, dann futtern: Blick zurück über den Gleinkersee auf den Gasthof Seebauer, zu finden unter http://www.gleinkersee.at - Achtung: nur Mai bis Ende September laufend geöffnet, im Oktober je nach Witterung an Wochenenden.

    • Halbe Portion: Forelle vom Abfluss des Gleinkersees, höchst fachmännisch filetiert, höchst beherzt geknofelt, und sehr erfreulich.
      foto: fidler

      Halbe Portion: Forelle vom Abfluss des Gleinkersees, höchst fachmännisch filetiert, höchst beherzt geknofelt, und sehr erfreulich.

    • So sieht eine kleine Portion Schweinsbraten auf der Terrasse des Gasthofs Seebauer aus. Vom Schopf, versteht sich.
      foto: fidler

      So sieht eine kleine Portion Schweinsbraten auf der Terrasse des Gasthofs Seebauer aus. Vom Schopf, versteht sich.

    • Nur bei Schlechtwetter wird hier serviert.
      foto: fidler

      Nur bei Schlechtwetter wird hier serviert.

    • Noch länger kein Braten: Zwei fröhliche Schweine vor der Dümlerhütte, ein paar Höhenmeter über dem Gleinkersee.
      foto: fidler

      Noch länger kein Braten: Zwei fröhliche Schweine vor der Dümlerhütte, ein paar Höhenmeter über dem Gleinkersee.

    • Aber ein Blick auf die Schweinsstelze muss schon erlaubt sein.
      foto: fidler

      Aber ein Blick auf die Schweinsstelze muss schon erlaubt sein.

    • Wildbeuschel ist aus, raunte der Dümlerhüttenwirt ein bisschen zu vernehmbar. Ich bestellte ab, er deckte ab. Wobei das Kalbsbeuschel auch wegging wie wild. Aber ich hatte ja noch Forelle und Schweinsbraten am See vor mir.
      foto: fidler

      Wildbeuschel ist aus, raunte der Dümlerhüttenwirt ein bisschen zu vernehmbar. Ich bestellte ab, er deckte ab. Wobei das Kalbsbeuschel auch wegging wie wild. Aber ich hatte ja noch Forelle und Schweinsbraten am See vor mir.

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