Original und (Ver-)Fälschung

15. August 2010, 21:26
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Ungeachtet des guten Plots gab es zwei Wermutstropfen: miese Dialogübersetzung und furchtbare Synchronisation

Da dreht's einem die Ohren um. Jüngst wieder passiert bei der letzten Folge vom Schwedenkrimi Mankells Wallander. Ungeachtet des guten Plots gab es zwei Wermutstropfen: miese Dialogübersetzung und furchtbare Synchronisation.

Die Stimmen wollten so gar nicht zu den Darstellern passen, das Kunsthochdeutsch wirkte befremdlich und schmälerte die Originalität hörbar.

An dieser Stelle ist mit einem grundsätzlichen Missverständnis aufzuräumen: smörebröd ist nicht Schwedisch, sondern Dänisch und bezeichnet Butter- und nicht Knäckebrot.

Gut, nicht jeder spricht Schwedisch, daher fällt es nicht zwangsläufig auf, dass mancherorts ein energisch gebrülltes "Vad fan!" (frei, aber sinngemäß übersetzt: "Verdammte Scheiße!") vom Hauptkommissar zu einem arg abgeschwächten "Ach, Mist!" wird.

Was ebenfalls nicht sein muss: unstetes, unartikuliert- brummiges Gebrabbel mit Füllwörtern wie "Ach ja", "Könnte sein" oder "Klar doch" wiederzugeben. Das zerstört das Wesentliche: die skandinavische Stimmung. Erfahrungsgemäß sagen Schweden, wenn es nichts zu sagen gibt, nämlich nur eines: nichts.

Die Engländer schwindelten sich über das Synchronisationsproblem einfach hinweg und schufen mit Kenneth Branagh ihren eigenen, britischen Wallander. So viel zum Thema: Wo Schwedenkrimi draufsteht, ist eigentlich eine BBC-Produktion drin.

Deshalb: Originalfassung schauen und trotz der lästigen Untertitel echt skandinavische Krimiqualität (inklusive Wikinger-ähnlichem originalschwedischem Brummen von Krister Henriksson) genießen. Im Fernsehen leider nicht, bleibt nur der DVD-Kauf. (Veronika Kössler, DER STANDARD; Printausgabe, 16.8.2010)

  • Krister Henriksson als Wallander.
    foto: orf/degeto/degeto/lars høgsted

    Krister Henriksson als Wallander.

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