Fettaugen, wie sie im Buche stehen

25. Jänner 2011, 16:15
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Zu Thomas Bernhards 80-er: Frittatensuppe, naturgemäß, in Gaspoltshofen, und was der Fidler seit Jahrzehnten nicht mehr hatte - Boeuf Stroganoff, mit Gurkerl

war so im stress. sorry. wird eh schon zu spät sein. aber: gasthof klinger, gaspoltshofen. t. bernhards frittatensuppenlokal. Wie Sie vielleicht erahnen, als quasi Abonnent der kleinen, dreckigen Schmeck's-Kolumne: Florian Holzer antwortete. Auf meinen Hilferuf, wo ich denn, bitteschön, auf dem Weg nach Salzburg mittagessen könnte. Gut, die Antwort kam, siehe oben, etwas spät, genau genommen ungefähr 30 Stunden zu spät, aber: Sie kam au point, wie ein oberkorrektes Branzinofilet in der gehobenen Gastronomie, jedenfalls mutmaßlich, weil ich mich kaum in derselben einfinde. Und wenn, dann in Tulln, und das gar nicht schlecht, naturgemäß.

Die Provinz triumphiert in der Fritattensuppe

Das einzige was hier gegessen werden kann ist Fritattensuppe, lässt Thomas Bernhard seinen "Theatermacher" Bruscon in Utzbach bestellen, Utzbach wie Butzbach. Aber nicht zu fett immer diese Riesenfettaugen in der Suppe selbst in der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe. Aber: In Gaspoltshofen schmeckte sie ganz und gar außerordentlich. Kaum Fettaugen.

Nach Hundsoed, zwischen Unteraffnang und Weibern

Nun ist der Befund auch schon ein paar Tage her, am 17. August 1985 wurde der "Theatermacher" uraufgeführt, bei den Salzburger Festspielen, also ziemlich genau genommen 25 Jahre und ein paar Tage vor meiner Frittaten-Finding-Mission durchs Hausruckviertel. Auf der Rückreise von München kommt man da an Hinweisen auf Orte vorbei, die ehrlich Oed benannte österreichische Dörfer noch toppen ("Hundsoed") und an Marktl am Inn, dem wir den aktuellen Heiligen Vater verdanken. Ganz nah an Gaspoltshofen kommen dann noch Unteraffnang und Weibern, aber ich bin ja zum Essen da. Fritattensuppe, naturgemäß.

Und tatsächlich: Kaum Fettaugen, kräftig und auf Busconscher Temperatur (um eine heiße Suppe möchte ich bitten meistens kommt sie lauwarm auf den Tisch). Nur: Wenn die Suppe tatsächlich auch nach 25 Jahren authentisch nach Bernhard schmeckt, dann mochte es der geniale Grantscherm gerne eher salzig. Aber ich bin da auch ein bisschen empfindlich. Das Salz glich ganz gut die große Milde des Oberskrens zum schönen, wacholdergeräucherten Forellenfilet davor gut aus.

Was aber zur Hauptspeise? Herr Bruscon? Die Fleischhauer haben zur dramatischen Kunst eine sehr schöne Beziehung. Nicht gerade eine Empfehlung für die frischen Eierschwammerl mit Rahmsauce, auch die Forelle Müllerin fällt damit eher flach. Bruscon hat in Gaspoltshofen eine Ente gegessen, würde ich sofort, steht aber grad nicht auf der Karte. Tagliolini mit pikantem Lammsugo und frischen Kräutern wärens beinahe geworden, vielleicht die rosa Beiriedschnitte oder die Junglammkrone.

Boeuf Stroganoff revisited

Aber unter "Klingers Klassikern" klingt das Boeuf Stroganoff am schönsten nach 1985, und wahrscheinlich hab ich da zum letzten Mal eines gegessen. Die frischen Pilze sprechen ebenfalls dafür, und Gurkenstreifen im Essen haben bei mir ohnehin immer Saison. Lassen Sie es mich so formulieren: Es war sicher das beste Boeuf Stroganoff meines Lebens, absolut gut. Aber es hatte wohl einen Grund, warum sich unsere Wege 25 Jahre nicht gekreuzt haben. Aber Gaspoltshofen liegt nah genug an der A1, dass sich unsere Wege nicht weit rascher noch einmal kreuzen. Auf eine kleine Beiried oder Lammsugo.

Täglich Fleisch

Übrigens, Bruscon geht viel, viel weiter als ich in meinem Fleischkonsum (der allerdings meist Eingang in diese kleine dreckige Kolumne findet): Die besten Schauspieler müssen täglich Fleisch essen Das Vegetariertum verträgt sich nicht mit der Schauspielkunst. Aber ich bin ja a) definitiv kein Schauspieler, b) führten solche Weisheiten Herrn Bruscon auch nur nach Utzbach und Umgebung und c) hab ich gerade von der Vegetarierin "Tiere essen" bekommen. Was sie mir nur damit sagen will?

Gasthof Klinger
Jeding 1
4673 Gaspoltshofen
07735 6913
www.gasthof-klinger.at

Drei Gänge, Traubensaft gespritzt, Kaffee: 36,50 Euro

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Nein, das dürfte kein kulinarischer Höhepunkt von Gaspoltshofen sein - eher ein alkoholischer.
    foto: fidler

    Nein, das dürfte kein kulinarischer Höhepunkt von Gaspoltshofen sein - eher ein alkoholischer.

  • Und das ist auch kein Hai, sondern eine wirklich sehr anständige Räucherforelle.
    foto: fidler

    Und das ist auch kein Hai, sondern eine wirklich sehr anständige Räucherforelle.

  • Die Fritattensuppe, wie sie im Buche steht.
    foto: fidler

    Die Fritattensuppe, wie sie im Buche steht.

  • Ein Gericht aus alter Zeit: Boeuf Stroganoff. Kein schlechter Vertreter seiner Art, aber die steht halt doch seit längerem auf der roten Liste.
    foto: fidler

    Ein Gericht aus alter Zeit: Boeuf Stroganoff. Kein schlechter Vertreter seiner Art, aber die steht halt doch seit längerem auf der roten Liste.

  • So sieht er von außen aus, der Gasthof Klinger, in Gaspoltshofen.
    foto: fidler

    So sieht er von außen aus, der Gasthof Klinger, in Gaspoltshofen.

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