Neuer Stern am Dirigentenhimmel bleibt bescheiden

15. August 2010, 19:46
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Sicher, Träume und Ziele habe jeder, sagt David Afkham - Seine würde er aber gern noch ein bisschen für sich behalten, schließlich sei er ja noch jung

Ein Traum ist jedenfalls schon in Erfüllung gegangen: Der charismatische 26-jährige Musiker setzte sich gegen 81 Konkurrenten durch und erhielt am Wochenende den von Nestlé und den Salzburger Festspielen erstmals ausgelobten und mit 15.000 Euro dotierten Young Conductors Award. Und durfte mit dem Gustav Mahler Jugendorchester sein wie ein Popkonzert umjubeltes Debüt in der Felsenreitschule geben.

Afkham verstünde die Architektur von Stücken, begründete Juryvorsitzender Franz Welser-Möst die Entscheidung. Außerdem, und das sei selten unter jungen Kollegen, dirigiere er das Orchester und nicht das Publikum.

David Afkham selbst bleibt bescheiden: "Natürlich bringt so ein Award karrieremäßig einen Schub. Aber in erster Linie ist es ein Geschenk, dass man Musik machen kann."

Der aus dem Iran gebürtige Papa, der Kardiologe Jhanbux Afkham, und Mama Rosemarie, ausgebildete Sängerin und Bankkauffrau aus Freiburg im Breisgau, haben ihren fünf Kindern die Liebe zur Musik in die Wiege gelegt, drei machten diese auch zum Beruf: Tochter Miryam geigt in renommierten Orchestern, etwa unter Zubin Mehta, auf; Sohn Mischa ist seit 2004 Violinist bei den Berliner Philharmonikern.

Die steilste Karriere aber legte der jüngste Spross David hin: Mit 15 studierte er an der Freiburger Musikuniversität Klavier, Musiktheorie und Dirigat. Bei Klavier habe ihm etwas gefehlt, "nicht im Sinne von Klangdynamik, sondern Geschichte, das Wissen um die Sache. Das Dirigieren ist meine Leidenschaft. Das ist es und nichts anderes." Seinen Mentor Bernard Haitink zählt Afkham als eines seiner Vorbilder auf und auch Carlos Kleiber - "aber den wird Ihnen jeder junge Dirigent nennen".

Diesen Sommer gab Afkham beim City-of-London-Festival sein Debüt mit dem London Symphony Orchestra, dessen Assistenzdirigent er seit 2008 ist. Gewiss wird man von ihm allerhand hören in nächster Zeit: Konzerte mit dem Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, dem Orchestre National de France, dem Seoul Philharmonic Orchestra, den Hamburger Symphonikern, dem Lausanne Chamber Orchestra und dem Mozarteum Orchester sind fixiert, ebenso wie sein Auftritt zu Weihnachten: Da wird Familienmusik gemacht. In hochkarätiger Besetzung. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe 16.8.2010)

  • Erhielt den Young Conductors Award: David Afkham.
    foto: epa/franz neumayr

    Erhielt den Young Conductors Award: David Afkham.

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