Klein-Tanglberg, ganz ohne Sudern

17. August 2010, 16:19
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Dass Harald Fidler kein Bier trinkt, hält ihn nicht von ganz neuen alten Sudhäusern ab - In Vorchdorf lässt der Tanglberg-Chef nun auch im Schloss Eggenberg aufkochen

Qualvoll ist der Weg nach Salzburg mit dem Auto. Wenn keine Zeit bleibt, in Vorchdorf zum Tanglberg abzuzweigen. Dann lieber Bahn fahren, Nerven sparen, rasch und ganz ohne Möglichkeit zum Halt vorbei, vorbei an Ochsenmarkpüree und Steinpilz-Trüffelessenz, an Atterochs und Rotschmiere-Erdäpfel-Kombi. Schnief! Warum fehlt die Zeit immer am richtigen Ort und macht ihn damit zum falschen? Jetzt wird es aber noch schwieriger.

"Das wär doch was für Schmeck's"

Ich muss, mittags noch dazu, nach Salzburg. Herr Holzer ist zu gestresst, um auf mein SMS zu antworten, ob er mir einen Wirten zwischen Wien und Salzburg empfehlen kann, er weiß schon, einfach, ehrlich, gut. Keine Antwort unter dieser Nummer.

Also frag ich den Novak, nein, den anderen, mit v, weil der betreibt ja insbesondere in Oberösterreich einen Privatsender auf Ultrakurzwelle (Lounge FM, gibts auch auf derStandard.at, hab ich gehört). Der Novak sollte wissen, wo man in Linz oder Umgebung gscheit essen kann. Obwohl: Den legendären Linzer Inder musste ich ihm empfehlen - hab mich ganz auf den Tipp von Poster/in fliegenpilz verlassen, und das zurecht, sagt Novak. Jetzt hätt ich natürlich auch endlich ins Bombay Palace gehen können, wo ich schon da war, aber mir war wieder einmal nicht nach Indisch.

Und tatsächlich, der Novak ließ mich nicht verkommen (ächz!): Ein Kollege berichtete ihm von einem neuen Lokal in der Brauerei Eggenberg. "Das wär doch was für Schmeck's", fand Novak. Ich auch, und war schon dort, grad noch rechtzeitig vor dem mittäglichen Küchenschluss um 14 Uhr (den man so genau nun eh nicht nimmt).

Riesig der kiesige Gastgarten vor dem auch nicht gerade kleinen Schloss Eggenberg, das Lokal selbst im Erdgeschoß und Souterrain unter alten Gewölben. Bei geringerer Gästezahl würde ich allerdings am WC  eher zu größter Ruhe raten: Sonst könnten, wenn ich die Akustik richtig einschätze, die Herrschaften im Gastraum nebenan womöglich pikiert gucken, wenn Sie zurückkommen. Aber kommen wir schön langsam doch zum Wesentlichen.

Niere für zwei, Krebse ab sechs

Thomas Donleitner kocht hier, davor in der Wengermühle am Attersee, wie mir scheint, auch nicht unerfolgreich zugange. Er macht mich gleich beim ersten Blick in die Karte traurig: Ich bin allein, und die im Ganzen gebratene Kalbsniere gibt's erst am zwei Personen. Gut, und auf Vorbestellung, also dafür wärs jetzt eh schon zu spät. Aber: Wenn ich mit der Vegetarierin auftauche, geht die Kalbsniere wieder nicht. Wenn ich in anderer Begleitung wiederkehre, geht das der Vegetarierin an die Nieren und gleich darauf auch mir, wie ich uns kenne.  Ähnlich geht's mit den "Krebserl aus den Traunauen" (Schnief: erst ab sechs Personen) und mit dem "Brat'l in der Rein" (Heul: ab acht). Langsam wirds Zeit für eine Schmeck's-Exkursion.

Au Backerl

Aber Herr Donleitner hat auch etwas für Mitglieder des Clubs der einsamen Mägen, und das tröstet durchaus: Gebackenes Ochsenmaul vielleicht? Römische Kalbskutteln? Gesottenes oder Wadengulasch vom Ochsen, der hier gerade die Speisekarte dominiert? Kalbsleber? Mir liegt schon der "Tagesfang vom Traunsee" auf der Zunge, da höre ich mich sagen: Geschmorte Rinderbacke, bitte (auch wenn in der Karte von einem Backerl die Rede ist, aber warum sollte ein ausgewachsenes Hornvieh ein Backerl haben? Kampf dem Diminutiv!). Und davor die Grammel- und Bratknödel mit Frühkraut und "Schmorsauce".

Hauchdünn geriet der Knödelteig um Grammel und Selchfleisch (so würd ich Dilettant das Bratl nennen), bilderbuchmäßig, quasi. Auch wenn ich Ahnungsloser auch ganz gern ein bisserl mehr Teig hab: wirklich feine Sache, vor allem die Grammelvariante, und das Kraut sowieso super. Einzig die Haut auf der dunklen Schmorsauce hat mich ein bisschen gestört, aber vielleicht Stand der Teller einfach ein bisserl zu lang unter dem Salamander.

Die Haut auf unserer Sauce

Eine sehr enge Verwandte der Knödel-Schmorsauce treffe ich beim Hauptgang unter der schönen, fettschmelzenden Rinderbacke mit den Steinpilzen (die haben mich letztlich wohl dazu gebracht, dass die Wange herhalten musste). Das Naheverhältnis vermute ich nicht nur anhand der ausgesprochenen Ähnlichkeit der Haut. Auch der Geschmack kommt nicht weit von der knödeligen Schwester zu liegen.

Diese Vertrautheit hätte ich natürlich missen müssen, hätt ich mich für den Tagesfang vom Traunsee entschieden. Oder wenn ich, sechs Mann und Frau hoch, zum Krebsenessen angetreten wäre. Aber das machen wir noch. Garantiert! Wenn ich noch einmal schaffe, die A1 in Vorchdorf zu verlassen, aber nicht geradewegs in den Ort zum Tanglberg zu tschundern, sondern rundherum zum Schloss Eggenberg.

Wobei: Bleibt irgendwie eh alles in der Familie: Das Alte Sudhaus in der Brauerei betreibt der Pächter des Tanglberg, Galerist Erich Spitzbart. Am besten, ich nehm mir die Zeit für zwei Lokalbesuche in Vorchdorf. Brauch ich eigentlich nur noch fünf bis acht motivierte Mitesser.

 

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Oben dunkle Wolken, unten durchaus helle Freude auf dem Teller
Altes SudhausSchloss EggenbergVorchdorf076146345/850
Zwei Gänge, Apfelsaft gespritzt, Kaffee: 27,80 Euro
 
    foto: fidler

    Oben dunkle Wolken, unten durchaus helle Freude auf dem Teller

    Altes Sudhaus
    Schloss Eggenberg
    Vorchdorf
    076146345/850

    Zwei Gänge, Apfelsaft gespritzt, Kaffee: 27,80 Euro

     

  • Grammel- und Fleischknödel im Sudhaus, kein Grund zum Sudern
    foto: fidler

    Grammel- und Fleischknödel im Sudhaus, kein Grund zum Sudern

  • Schöne Backe, feine Pilze: Die Rinderwange
    foto: fidler

    Schöne Backe, feine Pilze: Die Rinderwange

  • Essraum unter'm Kreuzgewölbe
    foto: fidler

    Essraum unter'm Kreuzgewölbe

  • Und hier noch einmal der schicke Gastgarten
    foto: fidler

    Und hier noch einmal der schicke Gastgarten

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