Goldstandard und andere Fesseln

15. August 2010, 19:09
29 Postings

Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben

Die Zeit des Ersten Weltkriegs, der Zwischenkriegszeit samt Großer Depression und des Zweiten Weltkriegs waren Jahre voller Leid. Doch wurden sie selten aus wirtschaftshistorischer Sicht erklärt. Der Investor und Ökonom Liaquat Ahamed hat dies versucht. Anhand des Wirkens der vier Zentralbanker aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und USA beschreibt er, was wann wieso passierte.

Er veranschaulicht die Mechanismen, die zur Großen Depression führten. Aufbau und Funktionsweise des Goldstandards etwa - und wie dieser den monetären Spielraum der Staaten immer mehr einschränkte. Trotzdem lockerte man den Standard nur in Kriegszeiten.

Es waren die Gold-Ungleichgewichte nach dem Ersten Weltkrieg, die dann riesige Kreditklemmen entstehen ließen. Die Hyperinflation in Deutschland - von Großbritannien und Frankreich als Weg gebrandmarkt, die Kriegsschulden wegzuinflationieren - führte zu gefährlichen Animositäten zwischen den Bankern. Der Goldüberhang in den USA verteuerte den Dollar.

Ahamed ist ein hervorragendes Buch gelungen, das mit 638 Seiten leider viel zu lang geraten ist. Viele Details hätte man kürzer bringen oder weglassen können. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.8.2010)

 

Liaquat Ahamed: "Die Herren des Geldes. Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben", Finanzbuch Verlag, 2010, 30,80 Euro

Share if you care.