Ein Augenzwinkern für Seine Majestät

15. August 2010, 19:01
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Bad Ischl zelebriert 180. Kaisergeburtstag so, als wäre Österreich noch Monarchie

Bad Ischl - Dass Franz Josef, Seine Majestät der Kaiser, tatsächlich in der Hochsaison Geburtstag hat, ist Glück. Obwohl: So schlimm, meint Robert Herzog, wäre ein Geburtstag im November auch nicht. Schließlich werden auch andere royale Geburtstage - etwa die britischen- seit Ewigkeiten unabhängig vom Kalenderdatum dann gefeiert, wenn das Wetter passt: im Sommer.

Doch weil Franz Josef tatsächlich im Sommer - am 18. August 1830 - geboren wurde, befindet sich Ischl, die (einstmals) kaiserlich-königliche Sommerfrische, im imperialen Ausnahmezustand. So spricht Robert Herzog, Ischls Tourismusdirektor, stets im Präsens vom kaiserlichen Geburtstag - obwohl der Jubilar 1916 starb. Doch in Ischl ist die Monarchie das ganze Jahr über stadt-, wenn schon nicht staatstragend: "Irgendwo ist immer ein Bild von Sisi oder Franz in Sichtweite."

Während der Geburtstagswoche sind die Bilder aber nicht genug: Ein Nostalgiezug bringt "Regimenter aus Österreich, Südtirol und den Kronländern" (Herzog) zum "Kaiserfest". Dienstag lädt Ischl zum "Kaiserbummel" auf 2,5 Kilometer rotem Teppich. Mittwochabend, nach "Kaiserempfang" in der Kaiservilla, präsentieren Nachkommen von (einstigen) Adelshäusern eine "Imperiale Fashion Show". Motto: "Eine Reise ins Kronland Venetien."

Dass so viel monarchistischer Trubel - inklusive der in Adabei-Berichten ungeachtet der Habsburgergesetze üblichen "von" und "zu" Titulierung - seltsam wirkt, räumt Kurdirektor Herzog ein, betont aber, "dass wir das augenzwinkernd sehen. Niemand hier wünscht sich die Monarchie zurück. Die Monarchie ist einfach unser USP. In Zahlen ausgedrückt: Etwa 30 Prozent der jährlich 350.000 touristischen Ischl-Nächtigungen kommen wegen der Patina des Hauses Habsburg.

Auch dass der Adel auf Kosten des Volks prasste, wird von den Guides nicht verschwiegen", betont Herzog. Aber: "Viele Gäste wollen das gar nicht wissen. Die wollen nach Ischl nur einen Satz im Kopf haben: ,Es war sehr schön, es hat uns sehr gefreut'." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 16 August 2010)

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