Mit Temperament und Umsicht

15. August 2010, 18:53
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David Afkham, Jahrgang 1983, ist der Preisträger des Young Conductors Award

Salzburg - Er schien mit jeder Instrumentengruppe, jedem Musiker Kontakt halten und in Dialog treten zu wollen. Dennoch verlor David Afkham die großen Linien nicht aus dem Blick und überzeugte bei seinem Festspieldebüt in der Felsenreitschule am Pult des Gustav Mahler Jugendorchesters. György Ligetis Atmosphères für großes Orchester hat Afkham als einzigen großen Spannungsbogen entwickelt. Leise schillernd wie mächtig pulsierend, weckt dieses Werk tatsächlich Assoziationen an die Unendlichkeit des Raumes. Die Luftgeräusche der Blechbläser schienen die Felsenreitschule nicht weniger zu erfüllen als die vielfarbigen Tutti-Klänge.

Bei Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 hat Afkham im spürbaren Bemühen um den bestmöglichen Klanggrund für den Solopart das Orchester gelegentlich fast zu sehr zurückgenommen. Da wird sich mit zunehmender Erfahrung des 1983 geborenen Dirigenten der rechte Mut bald einstellen. Ein Erlebnis, wie im Largo die Melodien der Holzbläser beinah ansatzlos aus dem Rankenwerk des Soloklaviers heraus zu erblühen schienen. Klaviersolist Till Fellner hat mit seiner souveränen Technik wahre Glanzlichter gesetzt. Über ein paar Ungenauigkeiten, etwa im Einsatz der Violinen, hat man gerne hinweggehört.

Dass es dem Preisträger des Young Conductors Award nicht nur um Schönklang geht, zeigte er auch mit der Symphonie Nr. 10 e-Moll op. 93 von Dimitri Schostakowitsch. Vom bizarren Walzer, der wie ein Totentanz durch den ersten Satz geistert, über das aggressive unheimliche Scherzo bis zu den mitreißenden Rhythmen des burlesken Finales hat Afkham auch das Monumentalwerk mit einem großen Spannungsbogen versehen und gleichzeitig den unzähligen Bläsersoli effektvoll Raum verschafft. Ein überzeugendes Debüt. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD/Printausgabe 16.8.2010)

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