USA rüsten Golfstaaten gegen den Iran auf

15. August 2010, 18:26
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Waffengeschäfte um 60 Milliarden Dollar - Israel bekommt ebenfalls Kampfjets

Washington/Riad/Jerusalem - Die USA haben massive Waffenverkäufe an die arabischen Golfstaaten bewilligt, die ihnen die militärische Überlegenheit über den Iran garantieren sollen. Bis zu 60 Milliarden Dollar (47 Mrd. Euro) beträgt die Summe der Aufträge an die US-Waffenindustrie, wobei der größte Posten 82 F-15-Kampfjets an Saudi-Arabien sind. Es sind die umfangreichsten Waffengeschäfte der USA mit den Golfstaaten seit Beginn der 1990er-Jahre. War es damals der Irak, so soll heute der Iran, dem ein geheimes Atomwaffenprogramm nachgesagt wird, abgeschreckt werden.

Am Sonntag gab das israelische Verteidigungsministerium bekannt, dass auch Israel von den USA 20 neue Militärjets kauft. In Israel war nach Bekanntwerden des US-saudi-arabischen Rüstungsdeals die Sorge laut geworden, dass die von den USA garantierte militärische Überlegenheit des Judenstaats in Gefahr sei. Mit den neuen F-35L-Kampfflugzeugen sei "die Lufthoheit und der qualitative Technologievorsprung" Israels in der Region gesichert, erklärte Verteidigungsminister Ehud Barak.

Kuwait soll mit der aktuellsten Version des Patriot Raketenabwehrsystems aufgerüstet werden, als "Abschreckung gegen regionale Bedrohungen", wie das Pentagon bekanntgab. Neu ist der mögliche Verkauf von F-15-Jets für umgerechnet 2,44 Milliarden Euro an den Oman, der bisher auch gute Beziehungen zum Iran unterhält.

Saudi-Arabien hat nach Israel und dem Iran die größte Luftwaffe im Nahen Osten. Die massiven US-Verkäufe von neuester Waffentechnologie an das saudische Königreich haben Unruhe in Israel ausgelöst, dessen militärische Überlegenheit in der Region, das Qualitative Military Edge (QME), von allen US-Regierungen garantiert ist. Deshalb werden die F-15, die die USA Saudi-Arabien liefern, nicht auf dem allerletzten Stand mit Zielsystemen und Langstreckenwaffen ausgerüstet sein. Haaretz zitiert einen anonymen israelischen Offiziellen aus dem Sicherheitsestablishment mit den Bedenken Israels: "Heute sind diese Flugzeuge gegen den Iran, morgen könnten sie gegen uns gerichtet sein."

Sicherheitsexperten beschuldigen die USA jedoch, durch ihre beschleunigten Waffenverkäufe im Nahen Osten ein neues Wettrüsten auszulösen. Der Iran werde so erst recht in eine unkonventionelle Bewaffnung wie Atombomben getrieben. (guha, DER STANDARD, Printausgabe 16.8.2010)

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