Waffengeschäfte um 60 Milliarden Dollar - Israel bekommt ebenfalls Kampfjets
Washington/Riad/Jerusalem - Die USA haben massive Waffenverkäufe an
die
arabischen Golfstaaten bewilligt, die
ihnen die militärische
Überlegenheit über den Iran garantieren sollen. Bis zu 60 Milliarden
Dollar (47 Mrd. Euro) beträgt die Summe der Aufträge an die
US-Waffenindustrie, wobei der größte Posten 82 F-15-Kampfjets an
Saudi-Arabien sind. Es sind die umfangreichsten Waffengeschäfte der USA
mit den Golfstaaten seit Beginn der
1990er-Jahre. War es damals der
Irak, so soll heute der Iran, dem ein geheimes Atomwaffenprogramm
nachgesagt wird, abgeschreckt werden.
Am Sonntag gab das israelische Verteidigungsministerium bekannt, dass
auch Israel von den USA 20 neue Militärjets kauft. In Israel war nach
Bekanntwerden des US-saudi-arabischen Rüstungsdeals die Sorge laut
geworden, dass die von den USA garantierte militärische Überlegenheit
des Judenstaats in Gefahr sei. Mit den neuen F-35L-Kampfflugzeugen sei
"die Lufthoheit und der qualitative Technologievorsprung" Israels in
der Region gesichert, erklärte Verteidigungsminister Ehud Barak.
Kuwait soll mit der aktuellsten Version des Patriot Raketenabwehrsystems aufgerüstet werden, als "Abschreckung gegen regionale Bedrohungen", wie das Pentagon bekanntgab. Neu ist der mögliche Verkauf von F-15-Jets für umgerechnet 2,44 Milliarden Euro an den Oman, der bisher auch gute Beziehungen zum Iran unterhält.
Saudi-Arabien hat nach Israel und dem Iran die größte Luftwaffe im Nahen Osten. Die massiven US-Verkäufe von neuester Waffentechnologie an das saudische Königreich haben Unruhe in Israel ausgelöst, dessen militärische Überlegenheit in der Region, das Qualitative Military Edge (QME), von allen US-Regierungen garantiert ist. Deshalb werden die F-15, die die USA Saudi-Arabien liefern, nicht auf dem allerletzten Stand mit Zielsystemen und Langstreckenwaffen ausgerüstet sein. Haaretz zitiert einen anonymen israelischen Offiziellen aus dem Sicherheitsestablishment mit den Bedenken Israels: "Heute sind diese Flugzeuge gegen den Iran, morgen könnten sie gegen uns gerichtet sein."
Sicherheitsexperten beschuldigen die USA jedoch, durch ihre beschleunigten Waffenverkäufe im Nahen Osten ein neues Wettrüsten auszulösen. Der Iran werde so erst recht in eine unkonventionelle Bewaffnung wie Atombomben getrieben. (guha, DER STANDARD, Printausgabe 16.8.2010)