Erster Gottesdienst seit 88 Jahren

Jürgen Gottschlich aus Istanbul, 15. August 2010 17:42

In dem ehemals orthodoxen Kloster Sumela in der Nähe von Trabzon in der Türkei wurde am Sonntag erstmals seit 88 Jahren eine Messe abgehalten

Die Orthodoxie in der Türkei hofft nun auf weitere Zugeständnisse.

*****

Es war ein Großereignis für die orthodoxe Kirche in der Türkei. Nach 88 Jahren fand gestern, Sonntag, am Vormittag erstmals wieder eine Messe im berühmten Sumela-Kloster am Schwarzen Meer statt. Die Messe wurde vom Istanbuler Patriarchen Bartholomäus persönlich zelebriert, mehrere tausend Gläubige, nicht nur aus der Türkei, sondern auch aus Griechenland und Russland wollten an dem Ereignis teilhaben. Lediglich 500 konnten das Kloster betreten, alle anderen mussten sich mit Übertragungen auf Leinwände außerhalb begnügen, da im Kloster nicht genügend Platz ist.

Das Sumela-Kloster ist eine spektakuläre Anlage im Zigana- (früher Pontus-)Gebirge, das sich südlich der Hafenstadt Trabzon erhebt. Auf schmalen Pfaden geht es zu dem rund 1000 Meter hoch gelegenen Kloster, das wie ein Adlerhorst in den Felsen klebt.

Das Kloster liegt heute in einem Nationalpark und ist seit 1972 ein Museum. Zuvor war es fast 1500 Jahre lang ein Kronjuwel der byzantinischen, orthodoxen Kirche. Die Anfänge reichen bis ins Jahr 500, seine heutige Form erhielt es Ende des 14. Jahrhunderts, als in dem Kloster auch byzantinische Kaiser gekürt wurden. Nach der gescheiterten griechischen Invasion in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts mussten die sogenannten Pontus-Griechen vom Schwarzen Meer genauso wie die Griechen der Ägäis-Küste im sogenannten Bevölkerungsaustausch das Land verlassen. An ihrer Stelle kamen Muslime aus Nordgriechenland, Mazedonien und Kreta. Seit dem Abzug der Pontus-Griechen stand das Kloster leer, es wurde durch einen Brand verwüstet und erst in den letzten Jahren wieder mehr schlecht als recht restauriert.

Zugeständnis an Orthodoxie

Der gestrige Gottesdienst ist ein Zugeständnis an die orthodoxe Kirche, auf das diese lange gewartet hatte. Im Patriarchat hofft man, dass in Zukunft wieder häufiger Messen im Kloster stattfinden können, auch wenn das Gebäude offiziell ein Museum bleibt. Für den Patriarchen ist die Messe im Kloster ein Hoffnungszeichen, dass bald auch andere Konflikte zwischen der orthodoxen Kirche und dem türkischen Staat gelöst werden können. Dabei geht es etwa um die Wiedereröffnung des Priesterseminars auf einer der Prinzeninseln vor Istanbul, das 1972 geschlossen wurde. Die orthodoxe Kirche braucht dringend Priesternachwuchs, wenn sie in der Türkei überleben will.

Die gestrige Messe im Sumela- Kloster war so etwas wie eine Ouvertüre für ein weiteres, noch wichtigeres religiös-politisches Ereignis, das in einem Monat am Vansee im Südosten der Türkei stattfinden wird. Ebenfalls erstmals seit dem Ende des Ersten Weltkriegs wird dann in dem armenischen Nationalheiligtum auf einer Insel im Vansee, in der Kirche von Akdamar, wieder ein Gottesdienst stattfinden. Auch für dieses Ereignis werden tausende Gäste aus Armenien und den Ländern erwartet, in denen die armenische Diaspora besonders stark ist. (Jürgen Gottschlich, DER STANDARD, Printausgabe 16.8.2010)

Kommentar posten
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capoeira17
 
19.08.2010 14:00
Neue Einnahmequelle

Wenn der Tourismus-Minister clever ist, sollten alle heiligen Orte und Standorte für jegliche religiöse Ausübungen sofort geöffnet und weltweit beworben werden.

z.B.: Die Hagia Sofia in Istanbul.

Freitag für Moslems öffnen,

Samstag für die Juden und

Sonntag für die Christen.

chelene chirsch
23.08.2010 12:33
warum nicht mekka ?

der vatikan selektiert ja auch nicht...

ioannis apostolopulos
 
17.08.2010 09:58
Eine "kleine" Ergänzung!

Es gab einen Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei laut Lausanne Vertrag von1923, aber es gab keinen Austauschvertrag zwischen Serbien bzw. Jugoslawien und der Türkei. Das heißt, der Bevölkerungsaustausch der Muslemen aus Vardarska( lt. Autor aus dem Staat mit noch nicht geklärtem Staatsnamen "Mazedonien") ist eine reine Annahme des Autors. Einen solchen Tausch hat nicht gegeben.

Sahin A.
16.08.2010 21:54
Kloster Sumela darf nicht VATIKAN werden!

bam younga
17.08.2010 07:36
ist das leicht geplant ?

pfarrwiese
17.08.2010 07:21
Offensichtlicher kann man

Dummheit nicht zur Schau stellen.

Sahin A.
17.08.2010 08:02
Hey, hab das von den Österreichern kopiert....;-)

Halbmond
17.08.2010 12:45

In Östeereich ist eine Moschee eröffnung in die wogen gehen hoch Sahin,man muß sich mal vorstellen einen mooslemischen vatikan mitten in Wien.

O gott,da geht jeder sturm...

Sahin A.
17.08.2010 14:46
wie war das nochmal: „Wien darf nicht Istanbul werden!“ ....

pfarrwiese
17.08.2010 09:24
Steht das A. in Ihrem nick

für "aptal" ?

Sahin A.
17.08.2010 10:20
Nein für Austria

Gerald Nessmann
16.08.2010 18:12
Na schau-

in der Tuerkei wird anscheinend Religionsfreiheit gross geschrieben.

Nur gut, dass es im Christentum keine Dar al-Garb gibt ...

Andreas S.
16.08.2010 19:32

lang
http://en.wikipedia.org/wiki/Ista... bul_Pogrom
kurz
http://de.wikipedia.org/wiki/Pogr... n_Istanbul

als ergaenzung zu meinem post weiter unten. In europa praktisch unbekannt.

Lemure
 
16.08.2010 19:13
Wie ist denn das Ereignis abgelaufen?

Es gab ja heftige Widerstände in Trabzon und Morddrohungen gegen die Besucher.

momodeluxe
16.08.2010 12:38

geschickt eingefädelt vom häupl.

jetzt braucht der strache nimmer kirchen in der türkei fordern, wahl gewonnen.

Chien de Pique
16.08.2010 15:13

Unter "Kirchen in der Türkei" stelle ich mir etwas anderes vor als eine einmalige sakrale Nutzung eines Museums. Abgesehen davon sind Kirchengebäude in der TR nicht das große Problem, sondern die schlechte Situation der paar verbliebenen ChristInnen.

Andreas S.
16.08.2010 14:21

istanbul ist ein schoenes beispiel. Auch unter osmanischer herrschaft war es ueber all die jahrhunderte immer mehrheitlich christlich. Ende der 40er jahre anfang er 50er waren es halbe halbe christlich/moslemisch. Heute sind weniger wie 1% der stadt christen.

In etwa drei generationen sind die christen in die bedeutungslosigkeit abgestiegen. Es gibt in istanbul fast mehr kirchen wie christen ;-(

Daran aendert auch nichts wenn eine der hunderten unbenutzten kirchen wieder revitalisiert wird.

Gerald Nessmann
16.08.2010 18:13
Ein Frage

Auf was fuehren Sie diesen Wandel zurueck?

Timagoras
 
17.08.2010 01:40

Sie kommen mir vor wie die fpö-ministerin Sickl, die, nachdem ihr ein griechischer gesprächspartner erklärt hatte, dass es nach der invasion der Deutschen auf Kreta keine Juden mehr gab, fragte:
"ja wo sind's denn alle hin?"

Andreas S.
16.08.2010 19:24

kurz:
auf das pogrom von istanbul 1955.

lang:
Das schicksal der armenischen christen im WK1 ist ja bekannt.

1923 krieg tk-gr, es wurden 1.5millionen gr. orth. christen ausgewiesen (und 0.5mil. tk aus gr.). also praktisch alle, ausnahme istanbul. btw damals hatte die tk 15mil einwohner.

1955 organisiertes pogrom (vorwand zypern). Hundertausenden leuten zog durch die stadt und pluenderte und brandschatze die markierten haeuser.

Die polizei sah weg. 5 jahre spaeter nach einem militaerputsch 13 todesstrafen (10 davon spaeter zu lebenslang) fuer verantwortliche regierungspolitiker.

Aber die nun mittlelosen christen waren schon zum grossteil aus angst ausgewandert.

der rest geht in der demographie unter (15->80mil)

Efsane
 
16.08.2010 22:14
Was erwarten Sie nun?? Soll man diese Griechen zurück nach Istanbul holen?

bam younga
17.08.2010 07:36
vielleicht gibt es noch andere möglichkeiten ?

vorbild japan:

http://derstandard.at/128182921... nnenbanner

Efsane
 
18.08.2010 00:29
"Die Annexion Koreas durch Japan ist der Ursprung von Koreas Modernisierung!" Frankreichs Nationalist Jean-Marie Le Pen und andere Europäer - darunter der Europaabgeordnete der FPÖ, Franz Obermayr - stärkten den japanischen Rechten erstmals den Rücke

Die EU und seine Vorbilder!!

Zu Japan, echt gut!!

Aber weder Japan noch diese oben erwähnten EU Politiker sind für die Türkei Vorbilder! Japans Geste ist zu Begrüßen, aber hat mit der Türkei nichts am Hut!

pfarrwiese
17.08.2010 07:20
Wie einfach doch muss

deine Welt sein.

Andreas S.
16.08.2010 22:50

zurueck? so ein bloedsinn

Genausowenig wie die sudetendeutsche oder die arabischen juden, oder die palistinaenser, oder die armenier, oder die rumaenien deutschen, etc. zurueck koennen.

Weiters hat sich die situation dort ja kaum geaendert, einzig es sind zu wenig dort fuer pogrome, und die betroffenen sind ja mittlerweile in den aufnahmelaendern integriert und werden auch nicht wollen.

btw huete dich mit solch argumentation vor strache fans, da schenkst du denen eine pointe. Die wuessten schon welche nichtintegrierten leute man zurueck nach istanbul ...

Die frage des vorposters war warum die tk. heute praktisch (<0.2%) christenfrei ist, obwohl nach WK1 1/5 und istanbul zur haelfte christlich war.

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