US-Polizei beschämt Kriminelle auf Facebook

15. August 2010, 15:43
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Umstrittene Initiative einer US-Gemeinde - Kommentare erlaubt, Diffamierung nicht ausgeschlossen

Die Polizei der Gemeinde Evesham in New Jersey, USA, veröffentlicht seit sechs Monaten über ihre Facebook-Seite Bilder und Namen von mutmaßlichen Gesetzesbrechern. Wie auf einer Schandtafel werden hier Ladendiebe, Verkehrssünder oder auch Pädophile den Mitbürgern und geneigten "Fans" aus aller Welt präsentiert, berichtet unter anderem der Branchenblog Gizmodo.

Zweischneidiges Schwert

Die Initiative der Polizei wird nach außen hin als Dienst am Bürger verkauft. Hier könne man nicht nur Informationen sammeln, sondern auch Hinweise vermerken. Knapp 6.000 Fans zählt die Seite bereits. Unter Juristen und Bürgerrechtlern ist die Entblößung Krimineller aber heftig umstritten. Es stelle sich die Frage, in wie weit hier die Privatsphäre der Menschen verletzt würde. Die gezeigten Personen sind keine rechtskräftig verurteilten Verbrecher - ein leicht zu übersehender Hinweis zwischen den zahlreichen Einträgen weist darauf hin (siehe Bild).

Bernard Bell, ein Rechtsprofessor der Rutgers University, meint gegenüber der Zeitung Courier-Post, das Verhalten der Polizei sei unangebracht. Zwar würden nur Informationen veröffentlicht, die ohnehin öffentlich verfügbar sind, doch habe die Publikation über das soziale Netzwerk einen anderen Charakter. "Das könnte eine Diffamierungsklage nach sich ziehen, wonach das Posten eines Fotos mit dazugehörigen Informationen fahrlässig und der mutmaßliche Täter keine öffentliche Person ist", so Bell.

Nichts Neues

Die Aktion der Polizisten aus Evesham könnte künftig noch höhere Wellen schlagen und Vorbild für ähnliche Initiativen in anderen US-Städten werden. So erwäge etwa bereits die Polizei in Gloucester eine eigene Verbrecherseite auf Facebook einzurichten. Aber auch außerhalb der USA setzen Gesetzeshüter auf soziale Netzwerke zur Zurschaustellung Krimineller. In Dehli, Indien, beispielsweise werden Verkehrssünder über Facebook präsentiert und die Nutzer dazu aufgefordert, Hinweise und Fotos einzusenden. (zw)

Quelle

Gizmodo

  • Verbrecherschau auf Facebook
    foto: derstandard.at/screenshot

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