Sack mit "sprengstoff­verdächtigem Inhalt" beim ORF abgegeben

15. August 2010, 12:15
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Unbekannter deponierte schriftliche Drohung an zwei Ex-Mitarbeiter und Zündkopf einer Sprenggranate bei Portier

Graz - Ein Unbekannter hat Sonntag früh einen Plastiksack mit einem Drohschreiben an zwei Ex-ORF-Mitarbeiter beim Landesstudio Steiermark sowie einen verrosteten Zündkopf einer Sprenggranate beim Portier des Landesstudios in Graz abgegeben. Die Polizei stellte die Gegenstände sicher und leitete eine Fahndung ein.

Wirrer Drohbrief und Granatenteile

Der Täter flüchtete, nachdem er die Drohschreiben und den Plastiksack abgegeben hatte. Der Portier des ORF-Landesstudios Steiermark verständigte sofort die Polizei, die das Sackerl sicherstellte. Eine unmittelbar eingeleitete Suche nach dem Mann, der angegeben hatte, sich am Thalersee bei Graz aufzuhalten, verlief negativ. Die Exekutive konzentriert sich nun auf das "wirre Schreiben" und die Metallteile. "Es wird mühevolle kriminalistische Kleinarbeit", so ein Ermittler.

Gegen 4.30 Uhr war der etwa 45-jährige unrasierte Mann - zwischen 165 bis 170 Zentimeter groß und schlank - mit einem Fahrrad zum Funkhaus des ORF Steiermark in der Marburgerstraße gekommen und hatte dem Portier einen für einen ehemaligen ORF-Mitarbeiter bestimmten Plastiksack übergeben. Plötzlich rückte der Mann mit dem Grund seines Erscheinens heraus: Er habe eine Rohrbombe für eine weitere Ex-ORF-Mitarbeiterin bei sich und er werde nun zum Thalersee fahren und dort ein Boot in die Luft sprengen.

Der Portier alarmierte sogleich die Polizei, worauf das Gelände des Funkhauses abgesichert und der sprengstoffverdächtige Plastiksack von einem sprengstoffsachkundigen Beamten untersucht wurde. Im Plastiksack befanden sich ein handschriftliches Schreiben, ein Metallkeil und ein Zündkopf einer Sprenggranate. Im Zündkopf, der laut Polizei offensichtlich mehrere Jahre im Freien gelegen war, befand sich jedoch kein Sprengmittel. Über die Herkunft des Zündkopfes konnte man bei den Ermittlern noch keine Auskunft geben. "Auf den ersten Blick hat es nur wie ein verrostetes Stück Metall ausgesehen", so ein Ermittler.

Laut Alexander Schantl vom Landeskriminalamt Steiermark sei das Drohschreiben nur sehr schwer lesbar und "wirr" abgefasst. Man werde sich nun auf die Auswertung der Schrift und möglicher Videoaufzeichnungen beim Studio bzw. den Anfahrtswegen konzentrieren. Die Namen der bedrohten früheren Mitarbeiter wollte man weder bei Polizei noch beim ORF bekanntgeben.

Der mutmaßliche Täter war laut Portier mit einem kariertem Hemd und einer beigen dreiviertellangen Hose bekleidet, er hatte einen blauen Rucksack bei sich. 

Videoband wird ausgewertet, Mitarbeiter befragt

"Es ist beruhigend zu sehen, dass das Sicherheitssystem funktioniert hat", sagte ORF-Kommunikationschef Pius Strobl hinsichtlich des beim Landestudio Steiermark abgegebenen Drohschreibens am Sonntag. Der Täter sei nicht in das Gebäude gelangt und der Sendebetrieb sei weitergelaufen. Der Landesdirektor sei in ständigem Kontakt mit der Polizei und auch jenen drei früheren ORF-Mitarbeitern, denen das laut Polizei" wirre Drohschreiben gegolten hatte. Derzeit werde von der Polizei ein Videoband ausgewertet, das im Eingangsbereich des Studios installiert sei.

Strobl zufolge hat es bisher keine derartigen Vorkommnisse wie nun beim Landesstudio Steiermark gegeben. Aber so eine Drohung habe Gewicht, obwohl der Täter "möglicherweise ein Spinner" sei. Schließlich habe der Briefbomben-Attentäter Franz Fuchs ja seinerzeit auch einen Sprengsatz an eine ORF-Mitarbeiterin verschickt. (APA)

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