Verletzte bei Anschlag in Nordirland

    15. August 2010, 19:07
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    Bombenexplosion nahe Belfast - Warnung der Polizei vor IRA-Splittergruppen

    Zeitgleich mit dem größten protestantischen Umzug Nordirlands ist am Samstag ein Sprengkörper in einer Mülltonne in Lurgan bei Belfast explodiert. Drei zufällig in der Gegend spielende Kinder wurden von Splittern verletzt.

    Die Sicherheitskräfte waren dabei, die Gegend nach einer Warnung zu räumen. In derselben Gegend wurden in der Nacht auf Sonntag Polizeibeamte von jugendlichen Rowdys attackiert.

    Während der protestantische Orden der "Apprentice Boys" in Londonderry seine alljährliche Parade abhielt, gingen noch weitere Bombenwarnungen bei der Polizei ein - doch sie erwiesen sich als absichtliche Täuschungen. Der Umzug selbst verlief indessen friedlich, ebenso wie eine kleinere Veranstaltung derselben Organisation in Nordbelfast, wo es am 12. Juli zu hässlichen Krawallen gekommen war.

    Hinter diesen Krawallen wie auch hinter einer Reihe von - bisher missglückten - Bombenanschlägen auf katholische Polizeibeamte stehen drei Splittergruppen der mittlerweile aufgelösten Irisch-Republikanischen Armee (IRA). Diese kleinen Gruppen lehnen den Friedensprozess ab und beschuldigen die ehemalige IRA sowie ihre politischen Sprecher in der Sinn-Féin-Partei, vor den Briten kapituliert zu haben.

    Die Real IRA, die Continuity IRA und Óglaigh na hÉireann (IRA auf Irisch) bestehen teils aus neuen Rekruten, teils aber aus erfahrenen Veteranen der alten IRA, die sich nie mit der Politisierung der Untergrundbewegung abgefunden hatten. Sie verfügen zwar über winzige politische Frontorganisationen, aber über keinen nennenswerten Rückhalt in der katholischen Bevölkerung.

    Martin McGuinness, der ehemalige IRA-Kommandeur und heute stellvertretende Chefminister Nordirlands, hat diese Desperados schon als "Verräter Irlands" bezeichnet. Doch der Polizeikommandant Nordirlands, Matt Baggott, warnte am Sonntag, diese Gruppen seien gefährlich. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis einer ihrer Sprengsätze Todesopfer fordert.

    Im Vorfeld der Parade in Londonderry hatten sowohl republikanische Politiker als auch Unionisten dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Die Menschen in Nordirland wollten nichts anderes, als in Frieden zu leben. (Martin Alioth, DER STANDARD, Printausgabe 16.8.2010)

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      Die traditionelle protestantische Apprentice-Boys-Parade in Londonderry verlief ruhig, doch bei Belfast explodierte ein Sprengsatz.

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