Fragen Sie Tarek

25. April 2003, 19:07
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Von Markus Bernath

Die Nummer 43 im großen Saddam-Suchspiel der USA, Iraks Vizeregierungschef Tarek Aziz, wird die Amerikaner zumindest in einem Punkt wohl enttäuschen: Über Saddam Husseins mysteriöses Verschwinden wird er nicht viel sagen können. Seit der Verhaftung und Aburteilung seines Sohnes wegen unmäßiger Korruption vor zwei Jahren ist der Mann mit der großen Brille in Ungnade gefallen und aus dem Lichtstrahl des Herrschers von Bagdad gerückt worden. Die ersten Stunden des Krieges dürfte Tarek Aziz deshalb eher nicht in Saddams engstem Kreis verbracht haben.

Tarek Aziz mag aber weit mehr zur Erhellung über die nicht weniger mysteriös verschwundenen Massenvernichtungswaffen des Irak beitragen. Schließlich hat er jahrelang als Saddams eifrigster Protokollant und als Stimme seines Herrn gewirkt. Für Washington und London wird die Suche nach Saddams Geheimwaffen allmählich zu einem Ärgernis. Eine gewisse Erwartungshaltung in der Weltöffentlichkeit gilt es ja nach diesem Krieg zu befriedigen; bemerkenswerte Anpassungen in der Argumentation der Sieger sind auszumachen: Weil Spezialteams der US-Armee auch fünf Wochen nach der Invasion noch keine "smoking guns" gefunden haben, sind die Waffen eben außer Landes geschafft worden.

Mehr als die Hälfte von rund 150 verdächtigen Orten im Irak, die der US-Geheimdienst als potenzielle Waffendepots bezeichnet hatte, sind bisher ohne Erfolg inspiziert worden. Ernüchtert von der Ausbeute, haben die Suchteams ihre Strategie geändert: Nicht mehr um konkrete Waffen geht es nun, sondern um Wissenschafter, Zeugen und um Hinweise auf Programme. Nächste Woche soll zur Unterstützung die erste Hundertschaft ziviler Waffenexperten mit Pentagon-Verträgen im Irak eintreffen. Sie richten sich auf wenigstens ein Jahr Arbeit ein. Es ist mehr Zeit, als sich die UN-Inspektoren jemals erhofft hätten. (DER STANDARD, Printausgabe, 26. und 27. 04. 2003)

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