Zwei Goldkehlchen und die Intensität der Schattenseite

25. April 2003, 19:35
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Wolfgang Schlögl alias I-Wolf begann in Wien seine Europatournee

Wien - Persönlicher Ehrgeiz ist dann am größten, wenn man sich selbst was schuldet. Vielleicht war es dieser Antrieb, der Wolfgang Schlögl motiviert hat, bei der Live-Umsetzung seines bestechenden Solodebüts Soul Strata keine Abstriche zu machen und aus dem Vollen zu schöpfen. Angesichts des in Wien gebotenen Auftakts zu einer großen Europatournee muss man sagen: gelungen!

Das Mitglied der international bekannten Wiener Band Sofa Surfers bestach im Wiener WUK mit einer leidenschaftlichen und entsprechend abwechslungsreichen Umsetzung seines Albums. Die beiden Ausnahmesänger Ken Cäsar und - einmal auch kurz an der Akustischen tätig - Damon Aaron, veredelten stimmlich die von stark nach vorne drängenden Rhythmen bestimmte Musik, die Schlögl mit elektronischen Sounds brillant unterfütterte.

Hier wurde nicht, wie es sonst oft bei Live-Umsetzungen weit gehend elektronisch generierter Musik passiert, lediglich ein Tonträger nachgestellt. Der schattseitig orientierte Rhythm 'n' Blues und verhatschte Funk Schlögls entlud sich in einem intensiv präsentierten Konzert, dass sich bereits mit der Eröffnungsnummer, dem Hit Positi- vity, die sprichwörtliche Latte in luftige Höhen platzierte.

Auch in langsameren, bei abstraktem HipHop Anleihen nehmenden Stücken, blieb die Band unter Schlögls Ägide druckvoll. Sogar eine Ballade wurde gegeben. Als leisen Kritikpunkt könnte man lediglich anführen, dass sich die beiden Sänger zu sehr dem Kollektiv unterordnen und sich nicht als die Hauptdarsteller geben, die sie eindeutig sind.

Nicht auszudenken, was das für eine Show wäre, wenn die beiden in diesem Sinne präsenter wären. (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.4.2003)

I-Wolf live:
Sa., 26. 4., 21 Uhr
P.P.C.
Neubaugasse 6
8020 Graz
  • Bild nicht mehr verfügbar

    I-Wolf: Damon Aaron (aus L.A., links), Wolfgang Schlögl (Mitte), Ken Cesar (rechts)

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