Das Museum selbst als Ausstellungsobjekt

25. April 2003, 19:20
posten

Die Pläne und Ziele von Wolfgang Kos

Wien - Er wird zwar weiterhin kleinere Beiträge für Diagonal und die Sendung Spielräume auf Ö1 gestalten. Ein Rückkehrrecht zum ORF aber hat der ehemalige Radiomanager nicht: Seit 1. April leitet Wolfgang Kos das Historische Museum der Stadt Wien.

Er bezeichnet es als "großes Schiff", dann wieder als "Lokomotive", er will ab nun "in der ersten Liga mitspielen" (und nicht in der Regionalliga Ost), aber es fehle an "Bühnen": Kos ist um keinen Vergleich verlegen, wenn er, wie bei seiner Antrittspressekonferenz am Freitag (mit dem Kulturstadtrat als "support act") die Ziele für die nächsten fünf Jahre möglichst anschaulich zu beschreiben versucht.

Prinzipiell sei die Konzernzentrale am Karlsplatz als Bühne passabel: Gerade in Detaillösungen zeige sich die hohe Qualität der Architektur der späten 50er-Jahre von Oswald Haerdtl. Und diese gelte es ins rechte Licht zu rücken, indem sie von später erfolgten Einbauten und Verunstaltungen (wie das Schild Enjoy Café) befreit wird: das Museum selbst - inklusive des original erhalten gebliebenen Direktionszimmers - als Objekt.

Das Hauptproblem aber ist, wie Kos bei einen Rundgang drastisch vor Augen führte, die Raumnot. Ein Ausstellungssaal wird als Depot missbraucht (weil es keinen Tiefspeicher gibt), der Studiensaal als Passepartoutschneiderei. Ein Museum ohne Vortragssaal ist für Kos aber undenkbar. Und die Halle für Wechselausstellungen mit bloß 370 Quadratmetern ein Witz.

Ideen habe er schon so manche, aber sie seien noch nicht bis zu Ende gedacht (beziehungsweise finanziert). Zudem hofft er weiter auf die unterirdische Erweiterung des Künstlerhauses, da mit der Nachbarinstitution künftig enger zusammengearbeitet werden soll: In dieser will er den Historismus präsentieren und große Sonderausstellungen (Themen könnten Otto Wagner, Mitropa oder "Die Stadt und die Nacht" sein).

Die Handschrift von Kos im Ausstellungsprogramm wird sich erst 2004 richtig bemerkbar machen - mit Gastarbajteri über 40 Jahre Arbeitsmigration in Österreich. Das heurige Programm fußt zum Teil noch auf der Planung von Günter Düriegl: In der Hermesvilla wird ab 9. Mai eine Geschichte dieses kaiserlichen Jagdhauses aufbereitet und Biedermeier-Grafik zum Thema Mit Stock und Hut gezeigt. Im Herbst kam man sich ebendort auf eine Orientalische Reise begeben: Malerei und Exotik im späten 19. Jahrhundert.

Im Haupthaus beschäftigt sich ab 22. Mai eine Ausstellung mit dem legendären Kunsthändler Serge Sabarsky, die auch dessen Sammlung (Schiele, Klimt, Expressionismus) vorstellt, ab 21. August folgt Hutsalon Susi und Milchfrau Rosa mit Fotos zur "Verkaufs-Kultur". Höhepunkt ist sicher die Helmut-Qualtinger-Schau Quasi ein Genie, die ab 2. Oktober mit vielen Raritäten aufwarten will. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.4.2003)

Share if you care.