Eine kleine Welt im Dorf in der Stadt

25. April 2003, 20:01
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Es ist eine kleine Welt in einem Dorf - und das mitten in der Stadt: 24 Ethnien im Liesinger Integrationswohnbau

Wien - Es ist eine kleine Welt in einem Dorf - und das mitten in der Stadt: Im Liesinger "Wohnprojekt Interethnische Nachbarschaft" (WIeN) leben seit Juni 2000 insgesamt 300 Menschen, die sich aus 24 Ethnien zusammensetzen; rund die Hälfte Österreicher.

Und wie sich zeigt, ist die Wohnzufriedenheit überdurchschnittlich hoch. Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) präsentierte am Freitag eine Umfrage, die Joachim Brech für den Bauträger Sozialbau durchgeführt hatte.

Keine urbane Vereinsamung

Urbane Vereinsamung scheint kaum Thema zu sein, es fällt vor allem einmal der hohe Anteil an Nachbarschaftshilfe auf: 80 Prozent der Bewohner haben regelmäßig Kontakt mit ihren Nachbarn; 61 Prozent besuchen diese. Und sie helfen einander bei Urlaub, Hausaufgaben, Kinderbetreuung oder Krankheit aus.

80 Prozent würden ihr Wohnbauprojekt auch an Freunde weiterempfehlen - obwohl interessanterweise bei vielen nicht der Integrationsschwerpunkt ausschlaggebend für die Wohnungswahl war: Nur für 36 Prozent der Bewohner war die Projektidee wichtig. Für 55 Prozent war die frühere Wohnung zu klein, für 20 Prozent zu teuer, für 19 Prozent zu laut. Und sieben Prozent flüchteten vor unfreundlichen Nachbarn.

Der Waschsalon ist ein regelrechter Treffpunkt

Auch wurde nun bestätigt, dass es sich gelohnt hat, bei Gemeinschaftseinrichtungen großzügig zu sein. Vor allem die Dachräume sind stark frequentiert - etwa bei Kinderfesten. Auch der Waschsalon ist ein regelrechter Treffpunkt - was nicht mehr bei vielen Wohnbauten so ist.

Auch der Innenhof sei okay, meinen 61 Prozent. Nur die Spielgeräte würden nichts taugen. Ein Mangel bei der Infrastruktur: 53 Prozent vermissen ein Lebensmittelgeschäft in unmittelbarer Nähe.

Das Projekt WIeN in der Anton-Baumgartner-Straße war das erste von einer ganzen Reihe derartiger Projekte; derzeit sind insgesamt 14 davon fertig oder in Bau. Der jüngste Integrationsbau wird in der Simmeringer Hauptstraße 192A von der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte errichtet - 112 Wohnungen mit viel Grünraum entstehen, 53 Mieter werden am Dachgarten pflanzen und ernten können. (Roman Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 26/27.4.2003)

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