Freundliche Bush-Gesten für Abbas

25. April 2003, 19:35
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Arafat drängt auf Umsetzung von Nahost-Friedensplan

Washington/Jerusalem - Nach dem Durchbruch bei der Bildung der palästinensischen Regierung will US-Präsident George W. Bush den designierten Ministerpräsidenten Mahmud Abbas (Abu Mazen) in Kürze ins Weiße Haus einladen. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Abbas, sagte Bush am Donnerstagabend im US-Fernsehsender NBC. Er deutete zugleich an, dass er den palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat nicht einladen werde.

Arafat hat im Konflikt mit Israel die rasche Umsetzung eines internationalen Friedensplans gefordert. "Die sofortige Veröffentlichung und Umsetzung des Plans ist unerlässlich", sagte Arafat der spanischen Zeitung ABC. Die USA halten den gemeinsam mit den Vereinten Nationen, der Europäischen Union und Russland ausgearbeiteten Plan seit Wochen zurück.

Der amerikanische Außenminister Colin Powell rief in einer Fernsehansprache an die arabische Welt die Region zum Frieden auf. Solange der Terrorismus nicht gestoppt werde, habe der Nahost-Friedensprozess keine Chance. Er hoffe, dass Abbas und sein Sicherheitschef Mohammed Dahlan sich mit allen Mitteln für ein Ende der Gewalt einsetzen würden, sagte Powell am Donnerstag dem libanesischen Fernsehsender LBC. Auch Israel setze große Hoffnungen in Abbas.

Alarmbereitschaft

Nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in Israel mit zwei Toten ist die Polizei im Lande in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Der israelische Armeesender meldete am Freitag, angesichts zahlreicher Geheimdienstwarnungen vor weiteren Anschlägen sei die Präsenz der Einsatzkräfte vor allem im Grenzbereich zwischen Westjordanland und Israel verstärkt worden. Israel hatte in der Nacht zum Freitag beschlossen, keine Vergeltungschläge für den Anschlag in Kfar Saba zu üben, um Mahmud Abbas nicht zu schaden.
Im Westjordanland nahmen israelische Soldaten in der Nacht zum Freitag sechs Palästinenser fest. Mehrere von ihnen werden verdächtigt, Mitglieder radikaler Gruppen zu sein. Im Westjordanland wurde am Freitag bei einem Schusswechsel mit Palästinensern ein israelischer Soldat leicht verletzt. Wie die israelischen Streitkräfte mitteilten, eröffneten bewaffnete Palästinenser in der Stadt Jenin das Feuer auf eine Gruppe von Soldaten, als diese aus gepanzerten Fahrzeugen ausstiegen. Israelische Kampfhubschrauber erwiderten laut Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen das Feuer. Die israelischen Soldaten waren im Morgengrauen in Jenin eingerückt. (dpa, AFP)
(DER STANDARD, Printausgabe, 26. und 27. 04. 2003)

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