Million Zellen in vier Minuten scannen

25. April 2003, 18:30
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Linzer Forscher entwickelten neues Verfahren zur Bestimmung von Proteinen

Linz - Der aus Oberösterreich stammende international renommierte Wissenschafter Josef Penninger wird künftig eng mit der oberösterreichischen Biotechnologie-Forschungsstätte des Landes kooperieren.

Der das in Wien neu gegründete Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB) der Akademie der Wissenschaften leitende Genetiker hat Moleküle entdeckt, die bei Immunerkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Die oberösterreichischen Bioforscher am "Zentrum für Biomedizinische Nanotechnologie" in Linz seien mit ihren Technologien so weit fortgeschritten, dass sie diese genau definieren und neue Therapieansätze für Immunerkrankungen entwickeln können, gab Penninger Freitag bekannt.

Mit einem so genannten Nanoreader, auf den die Forscher ein Weltpatent besitzen, stehe ein Gerät zur Verfügung, das die Fähigkeit habe, eine Million Zellen in nur vier Minuten zu scannen. In kurzer Zeit kann man so genaue Aussagen über Position und Lage einzelner Proteinmoleküle auf der Oberfläche von Zellen machen und mögliche Veränderungen mit Krankheiten in Verbindung bringen. Besonders bei Immunkrankheiten sowie Krebs besteht der Verdacht, dass die Veränderung der Oberflächenmuster von Proteinen die Ursache sind.

Mit dem Nanoreader soll es in Zukunft möglich sein, all diese Vorgänge an lebenden Zellen zu studieren. Penninger erwartet sich "von der in Linz entwickelten einzigartigen Technologie" weitere Forschungserfolge. Der Nanoreader ermögliche es, "direkt sehen zu können, wie neu entdeckte Moleküle arbeiten und welche Funktion sie haben". Das ergebe neue Therapieansätze und die Möglichkeit nach Medikamenten für Volkskrankheiten wie Rheuma, Osteoporose und Krebs zu suchen, betonte Penninger.

Bekannt wurde der als aussichtsreicher Kandidat für den Nobelpreis gehandelte Mittdreißiger etwa durch die Entdeckung des Osteoporose-Gens und die Identifizierung jenes Genes, das den Zelltod (Apoptose) verursacht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. 4. 2003)

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