USA: Überraschend schwaches Wachstum

27. April 2003, 18:32
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BIP legte nur um 1,6 Prozent zu - Auch britische Konjunktur unerwartet schwach

Washington - Kriegssorgen und der Vertrauensschwund der Verbraucher haben die US-Wirtschaftsentwicklung im 1. Quartal 2003 stärker gedämpft als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte um 1,6 Prozent auf hochgerechneter Jahresrate zu, teilte das Handelsministerium am Freitag in Washington mit. Im Vorquartal betrug das Wachstum 1,4 Prozent. Analysten hatten mit mehr als zwei Prozent gerechnet.

Volkswirte rechnen nach dem schnellen Ende des Krieges mit einem stärkeren Wachstum in der zweiten Jahreshälfte. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Verbrauchernachfrage im April gestiegen ist. Bei einer Erhebung der Wirtschaftsagentur Bloomberg unter Analysten lag die durchschnittliche Erwartung für das Wirtschaftswachstum (auf Jahresbasis) bei 3,8 Prozent zum Jahresende.

Hohe Ölpreise und gesunkener Verbraucherzuversicht

Im ersten Quartal hätten vor allem die hohen Ölpreise und die stark gesunkene Verbraucherzuversicht zu Buche geschlagen, meinten Volkswirte. Der Ölpreis war vor dem Irak-Krieg auf ein Zwölfjahreshoch geklettert und die Verbraucherzuversicht in den USA so tief gesunken wie seit neun Jahren nicht mehr.

Die Verbraucherausgaben, die zwei Drittel der US-Wirtschaft tragen, wuchsen im 1. Quartal nur um 1,4 Prozent, so gering wie seit zehn Jahren nicht mehr. Unternehmer investierten in dem Zeitraum (auf Jahresbasis) 4,2 Prozent weniger in Ausbau, Anlagen und Software. Gut 260.000 Arbeitsplätze wurden abgebaut. Um neue Arbeitsplätze zu schaffen, muss die Wirtschaft nach Schätzungen mindestens um drei Prozent wachsen. Im längsten Boom der US-Wirtschaftsgeschichte, zwischen 1992 und 2000, lag die durchschnittliche Wachstumsrate bei 3,6 Prozent.

"Glanzlose, enttäuschende Zahlen"

An den Finanzmärkten sorgten die Daten zunächst für Enttäuschung. "Dies sind glanzlose, enttäuschende Zahlen, die unter den Erwartungen liegen", sagte Alan Ackerman von Fahnestock and Co. in New York. Die Daten würden den jüngsten Optimismus an den Aktienmärkten empfindlich dämpfen. Zuletzt waren einige US-Konjunkturindikatoren besser als erwartet ausgefallen und hatten an den Märkten Hoffnungen auf eine baldige Erholung aufkommen lassen.

In Großbritannien wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im selben Zeitraum um 2,3 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2002, aber nur 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, also dem Zeitraum von Oktober bis Dezember 2002. Die am Freitag von der nationalen Statistikbehörde in London veröffentlichten Zahlen blieben wie die US-Werte hinter den Erwartungen zurück. Für das gebremste Wachstum war den Angaben zufolge vor allem der Dienstleistungssektor verantwortlich, der mit plus 0,3 Prozent den niedrigsten Anstieg in einem ersten Quartal seit 1991 verbucht habe.(APA/dpa/Reuters)

US-Wirtschaft im ersten Quartal überraschend schwach gewachsen
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