Soziale Zusammenhänge statt Heimatschau

25. April 2003, 19:19
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Wolfgang Kos und sein Konzept für die Museen der Stadt Wien

Wien - Vor weißen Wänden präsentierte der seit 1. April amtierende Direktor der Museen der Stadt Wien, Wolfgang Kos, am Freitag sein Konzept und das Programm für 2003. Das "Museumsnetzwerk mit dem Kraftwerk Karlsplatz" soll Kunst im sozialen Zusammenhang zeigen und Wien in den internationalen Vergleich stellen, statt ein Heimatmuseum zu sein.

Kos möchte in den kommenden fünf Jahren außerdem eine große Sammel-Offensive starten. Ab September wird der Eintritt in alle ständigen Sammlungen an Sonntagen frei sein, "denn die Sammlung ist Eigentum der Wiener", so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S).

Programm-Erbe

Das Programm für 2003 sei teilweise noch von früheren Planungen bestimmt, "ein Übergangsjahr", so Kos. Ab Mai wird die Hermesvilla mit Aquarellen und Zeichnungen des Wiener Biedermeiers bespielt und ihre Geschichte beleuchtet. Die erste große Sonderausstellung im Historischen Museum widmet sich dem Wiener Sammler in New York, Serge Sabarsky. Im Atrium des Museums folgt eine kleinere Fotoausstellung zur Wiener Verkaufs-Kultur.

Ab Oktober porträtiert die Sonderausstellung "Quasi ein Genie" im Historischen Museum Helmut Qualtinger, "den Virtuosen des Grantelns", so Kos. In der Hermesvilla begibt man sich ab Oktober auf eine "Orientalische Reise" durch das späte 19. Jahrhundert, und unter dem Titel "Brutale Neugier" (ab Ende Oktober) sollen in einer Ausstellung im Atrium des Historischen Museums die Produktionsbedingungen von Medienbildern in Kriegszeiten anhand der Arbeit des Fotografen Walter Henisch beleuchtet werden.

Das Jahr beschließt eine Ausstellung im Historischen Museum zum "Wiener Stolz" (ab November) mit Modellen zu den Skulpturen des Wiener Rathauses.

Neue Linie

Als beispielhaft für die neue Linie der Museen der Stadt Wien kündigte Kos für 2004 eine große Doppelausstellung an. "Gastarbajteri" beschäftigt sich mit 40 Jahren Arbeitsmigration in Österreich, gleichzeitig stehen Fotografien und ein Dokumentarfilm von Lisl Ponger, "Fremdes Wien", auf dem Programm.

"Wolfgang Kos ist ein urbaner Vordenker, ein Generalist im besten Sinne des Wortes", freute sich Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) über den neuen Leiter. Ziel eines Stadtmuseums sei für ihn, dass es sich im Bewusstsein der Wiener als Kulturort verankere. Mit einem Zuschuss, "oder besser einer Investition", so Mailath-Pokorny, von derzeit 14,95 Millionen Euro pro Jahr unterstütze die Stadt Wien ihre Museen.

Vorerst keine Geldsorgen

Mit diesem Jahresbudget und einer bis 2007 gesetzlich festgeschriebenen Valorisierung von 1,43 Prozent ist Kos sehr zufrieden: "Die Drohung, den Betrieb schließen zu müssen, werden Sie aus diesem Haus in den nächsten fünf Jahren garantiert nicht hören." Mit einer Sammlungs-Offensive möchte er mit dem Sammlungs-Profil näher zur Gegenwart kommen, "aber nicht einfach zum Billa gehen und alles kaufen." Die Städtischen Museen könnten dann "mehr Rohstofflieferanten als End-Veredler" für andere Museen sein. Kos mahnte "aus einer Position der Stärke" zur guten Zusammenarbeit.

Dringend notwendig sei eine Modernisierung und ein Ausbau der Ausstellungsräumlichkeiten, was allerdings nicht mit dem operativen Budget zu bestreiten sei. Für den von ihm gewünschten Ausbau des Karlsplatz und einer stärkeren Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus gebe es laut Kos "deutlich positive Zeichen aus der Stadtregierung." (APA)

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