Stundenreduktion: Überwiegende Ablehnung des Entwurfs

25. April 2003, 13:36
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Begutachtungsfrist der "Wochenstund- Enentlastungs- und Rechtsbereinigungs- Verordnung" endet

Wien - Der von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) vorgelegte Verordnungsentwurf zur Streichung von Schulstunden stößt überwiegend auf Ablehnung. Gewerkschaft, Eltern- und Familienverbände sowie die Vertreter der einzelnen Unterrichtsgegenstände haben sich dezidiert gegen die Umsetzung der "Wochenstundenentlastungs- und Rechtsbereinigungsverordnung" ausgesprochen, deren Begutachtungsfrist heute, Freitag, endet. Die Ministerin, nach deren Angaben von Donnerstag noch nicht sehr viele Stellungnahmen zum Entwurf eingegangen sind, hat allerdings angekündigt, an der Stundenreduktion festhalten zu wollen und diese Mitte Mai zu erlassen.

Durch den Entwurf sollen in der Volksschule durchschnittlich eine halbe Stunde, in der Hauptschule und AHS-Unterstufe eineinhalb Stunden sowie in der AHS-Oberstufe und den berufsbildenden Schulen zwei Stunden pro Woche gestrichen werden. Die einzelnen Schulen können selbst entscheiden, ob sie eine vom Ministerium vorgegebene, so genannte subsidiäre Stundentafel verwenden, oder Schwerpunkte in bestimmten Fächern setzen und dafür auf autonome Stundentafeln mit Bandbreiten und verpflichtenden Mindeststundenzahlen zurückgreifen. Für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) gibt es keine vorgegebenen Stundentafeln, sie müssen die zu kürzenden Gegenstände in den Schulgemeinschaftsausschüssen selbst festlegen. Gelingt ihnen das nicht, entscheidet der jeweilige Landesschulrat.

Die AHS-Lehrergewerkschaft weist in ihrem Begutachtungsentwurf auf "massive dienst- und besoldungsrechtliche Konsequenzen" hin und befürchtet, dass Lehrer - vor allem an "peripheren Standorten" - ihren Job verlieren. Schwächere Schüler würden durch die nötige Straffung des Unterrichts zusätzlich belastet und mehr außerschulische Hilfe benötigen. Die GPA fürchtet zudem eine Gefährdung des Studienerfolgs im Bereich der Schulen für Berufstätige.

Bereits in den vergangenen Tagen haben sich die im Elternbeirat des Bildungsministeriums vertretenen Eltern- und Familienorganisationen sowie die Vertreter einzelner Fächer und von Uni-Instituten gegen die Reduktion ausgesprochen. Der Rechnungshof hatte in seiner Stellungnahme zwar keine prinzipiellen Einwände, schlug aber statt der vom Ministerium gewählten Vorgangsweise die Verkürzung der Unterrichtsstunde von 50 auf 45 Minuten sowie eine entsprechende Erhöhung der Lehrverpflichtung vor. Dies wird im Ministerium aber abgelehnt, da dadurch zehn Prozent der Lernzeit verloren ginge, während durch die Reduktion der Stundenanzahl nur fünf bis sechs Prozent betroffen seien.

Auch die Oppositionsparteien haben sich bereits wiederholt gegen die Stundenreduktion ausgesprochen. Gehrer betonte mehrmals, dass die Schüler nach einer Streichung von Schulstunden daheim nicht mehr lernen müssten - die Lehrer müssten sich vielmehr auf den Kernstoff konzentrieren und "aus dem Unterrichtsfach kein Wissenschaftsfach machen".

Die SP-nahe Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) hat am Freitag einen bundesweiten Aktionstag zum Thema Arbeitsentlastung von Schülern für kommenden Dienstag (29. April) angekündigt. Die geplanten Stundenkürzungen seien keine pädagogische Katastrophe, würden jedoch die meisten schulautonomen Profile zerstören und die Wahlpflichtfächer einschränken, heißt es in einer Aussendung der AKS. Demonstrationen sind in Wien und Feldkirch (Vbg.) am Dienstag geplant, in Salzburg am Mittwoch (30.4.) (APA)

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