Prozessbeginn um Enführung in St. Pölten

25. April 2003, 12:48
posten

18-Jährige wurde stundenlang in Kofferraum gesperrt - von Mutter wurde Lösegeld gefordert - Motiv des Täters waren finanzielle Probleme

St. Pölten - Wegen erpresserischer Entführung muss sich ein Oberösterreicher am Mittwoch kommender Woche am Landesgericht St. Pölten vor einem Geschworenensenat verantworten (8.30 Uhr, Schwurgerichtssaal, Richter: Peter Kotynksi).

Der mutmaßliche Täter ist geständig, im November 2002 in Amstetten eine 18-Jährige gekidnappt zu haben, um Lösegeld zu fordern. Die junge Frau war nach einem mehr als 24-stündigen Martyrium befreit worden.

Tatmotiv Schulden

Als Tatmotiv gab der damals 37-Jährige nach seiner Festnahme Arbeitslosigkeit und Schulden in der Höhe von rund 29.000 Euro an. Sein Opfer hatte er willkürlich ausgewählt.

Entführung

Die 18-Jährige war an jenem Montagabend (25. November) nach Verlassen ihres Arbeitsplatzes in Amstetten auf dem Weg zu ihrem Auto von einem zunächst Unbekannten mit vorgehaltener Pistole gekidnappt worden. "Wennst brav bist, passiert dir nichts. Ich will nur Lösegeld." Mit diesen Worten zwang der Entführer die 18-Jährige, in den Kofferraum seines Wagens zu klettern, wo sie stundenlang gefesselt ausharren musste. Er stülpte ihr einen Strumpf über den Kopf und entriss ihr die Handtasche, teilten die Ermittler damals mit.

Übergabe

Anschließend fuhr der Verdächtige mit seinem Pkw nach Linz. Auf dem Weg dorthin hielt er in einem Wald an und "erkundigte" sich beim Opfer nach dessen Bankomat-Code und der Telefonnummer der Mutter. Diese rief er in der Folge an und verlangte 100.000 Euro oder Schilling - an die Währung konnte sich die Mutter in ihrem Schock nicht erinnern -, sonst würde sie ihre Tochter nicht mehr lebend wiedersehen. Die Übergabe sollte am folgenden Nachmittag auf der Autobahnraststätte Ansfelden erfolgen.

Bankomatkarte

Gegen Mitternacht hob der Verdächtige mit der Bankomatkarte des Opfers 400 Euro ab, wobei er von der Überwachungskamera gefilmt wurde. Intensive Nachforschungen brachten die Ermittler auf die Spur des Oberösterreichers.

Zum Zeitpunkt der vereinbarten Geldübergabe befand sich die Entführte immer noch im Kofferraum, weshalb die Exekutive den Verdächtigen flüchten ließ, aber weiter observierte. Als die Beamten - Kräfte des Bundeskriminalamtes, der Sondereinheit Cobra und der örtlichen Gendarmerie - zum in der Zwischenzeit eruierten Wohnhaus des mutmaßlichen Täters kamen, öffnete der Mann die Tür und ließ sich widerstandslos festnehmen.

Im ersten Stock wurde das Opfer mit einem über den Kopf gezogenen schwarzen Strumpf gefunden. Die junge Frau war, vom Schock durch den unvorstellbaren Schrecken abgesehen, unversehrt geblieben. Sie klagte bei ihrer ersten Befragung über Schmerzen, die offensichtlich von der Fesselung und der Enge des Kofferraumes herrührten. (APA)

Share if you care.