Memantin verzögert Alzheimer

25. April 2003, 11:42
posten

In fortgeschrittenem Stadium erfolgreich getestet

London - Erstmals ist eine Behandlung bei Alzheimer-Patienten in fortgeschrittenem Stadium erfolgreich getestet worden. In einem Doppelblindversuch zeigten Forscher der Universität New York die Wirksamkeit des Medikaments Memantin. Die Mediziner verabreichten insgesamt 252 Patienten sechs Monate lang entweder das Präparat oder ein Placebo und bewerteten anschließend anhand mehrerer Skalen den Krankheitsverlauf.

Dabei stellten sie fest, dass der Zustand der Patienten, die das Medikament einnahmen, sich nur halb so stark verschlechterte wie der der Placebo-Gruppe. Auch die Pflegedauer durch Betreuer war deutlich geringer. Nebenwirkungen wurden nach einem Bericht des "British Medical Journal" nicht festgestellt. Die Patienten waren durchschnittlich 76 Jahre alt und hatten Alzheimer im mittleren bis schweren Stadium.

In der EU zugelassen

Memantin wird seit etwa einem Jahrzehnt gegen Parkinson und andere Nervenleiden eingesetzt und erhielt vor einem Jahr von der EU die Lizenz zur Behandlung von Alzheimer. Die US-Behörden prüfen zur Zeit, das Medikament auch in den USA zuzulassen. Memantin blockiert die Aktivität von Glutamat, das im Gehirn Nervenzellen stimuliert, die an Lernen und Erinnern beteiligt sind. Eine Überstimulation dieser Neuronen kann jedoch zum Einströmen von Kalzium führen, das für Nervenzellen giftig ist.

Andere Forscher haben unterdessen ein neues Verfahren entwickelt, das die Diagnose von Alzheimer schon im Frühstadium ermöglichen könnte. Bei der Analyse von Gehirnproben verstorbener Alzheimer-Patienten stießen Forscher der britischen Universität Keele auf erhöhte Konzentrationen von Eisenoxid-Kristallen, so genanntem Magnetit. Die Höhe der Magnetit-Konzentration stieg dabei mit der Schwere der Erkrankung.

Verfahren weiter im Test

Die Analyse von drei Gewebeproben gesunder Menschen bestätigte nach einem Bericht der Zeitschrift "New Scientist" den Erfolg des Verfahrens. Zwei Proben waren Magnetit-frei. In dem dritten Fall, in dem die Kristalle nachgewiesen wurde, zeigte eine nachträgliche Analyse die für Alzheimer typischen Proteinknäuel (Plaques). "Wir bemerkten dies durch die Magnetit-Messungen vor der klinischen Analyse", betonte Forschungsleiter Jon Dobson.

Die Wissenschafter nutzten ein Verfahren, das die Reaktion der Gewebeproben auf verschiedene magnetische Felder misst. Sie wollen die Zuverlässigkeit des Verfahrens nun durch weitere Magnetit-Messungen von Gehirngewebe prüfen. Dabei wollen sie auch Proben von Patienten mit anderen Nervenleiden berücksichtigen wie etwa Parkinson, die ebenfalls mit überschüssigem Eisen in Verbindung gebracht werden. (APA/AP)

Share if you care.