Die Deneuve dreht

25. April 2003, 11:12
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TV-Verfilmung über das Leben der "Marie Bonaparte" - in Wien

Wien - Eigentlich hegt Catherine Deneuve dem Fernsehen gegenüber "gemischte Gefühle". "Ich betrachte mich als Filmschauspielerin", so der französische Weltstar. Wenn sie derzeit in Wien bei ihrer erst zweiten Fernsehproduktion (gegenüber mehr als 60 Kinofilmen) vor der Kamera steht, dann muss diese "etwas Besonderes sein": Als "großes europäisches Filmereignis" kündigte ORF-Filmchef Heinrich Mis Abend den TV-Zweiteiler "Marie Bonaparte" an, bei dem Deneuve die Hauptrolle spielt. An ihrer Seite stehen u. a. Heinz und Anne Bennent, Gertraud Jesserer, Elisabeth Orth und Christoph Moosbrugger.

Anhängerin der Psychoanalyse

Ungefähr zur Halbzeit der Dreharbeiten, die noch bis Anfang Juni dauern sollen, wird derzeit in Wien-Leopoldstadt das Innenministerium der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts filmisch wiedererweckt. Dort hat Marie Bonaparte (1882-1962), Urgroßnichte Kaiser Napoleons I. und Prinzessin von Griechenland und Dänemark, ihre Beziehungen eingesetzt, um ihrem Freund Sigmund Freud (Heinz Bennent) die Flucht vor dem Naziregime zu ermöglichen.

Bonaparte war in den 20er Jahren nach Wien gekommen, um ihre Frigidität von Freud behandeln zu lassen, ging eine - nicht konfliktfreie - Freundschaft mit dem berühmten Wiener Wissenschafter ein und wurde eine der stärksten Verfechterinnen der Psychoanalyse.

Prämiertes Drehbuch

Das Skript von Louis Gardel und Francois-Olivier Rousseau für die 6,5 Mio. Euro teure französisch-deutsch-österreichische Koproduktion, an der der ORF, ARTE, France 2 und der MDR beteiligt sind, erhielt beim Fernsehfilmfestival FIPA im Jänner den "Großen Preis für das Beste Fernseh-Drehbuch".

Fast 1,5 Mio. Euro kommen aus Österreich, wo der Stoff fast ausschließlich - bis auf den Abschlussdreh in St. Tropez - verfilmt wird. Gefördert wird u. a. vom Filmfonds Wien und vom Land Niederösterreich. Zu sehen sein soll "Marie Bonaparte" im kommenden Jahr.

Unvoreingenommenheit ...

Als Deneuve das erste Mal mit der Rolle einer der schillerndsten Frauenfiguren der jüngeren europäischen Geschichte konfrontiert wurde, hat sie "eigentlich nichts gedacht. Es ist besser, an so eine Rolle unvoreingenommen heranzugehen", so die Grande Dame des französischen Films. Vor allem, wenn man mit so einem "großartigen Regisseur" wie Benoit Jacquot zusammenarbeite. Deneuve sei der Psychoanalyse gegenüber "durchaus positiv eingestellt" - will aber die Frage, ob sie denn selbst eine solche schon in Anspruch genommen hat, nicht beantworten.

Das filmische Wiedersehen mit Heinz Bennent - die beiden drehten schon 1980 Francois Truffauts "Die letzte Metro" - weckte bei Deneuve "keine nostalgischen Gefühle". Doch sei es eine "ganz natürliche Begegnung" gewesen, wie mit "einem Freund, den ich wiedergefunden habe".

... und "Dummheit"

Bennent selbst wurde von der Aussicht, wieder mit Deneuve arbeiten zu können, zur Teilnahme an dem Projekt - "sehr wahrscheinlich der letzte Film, den ich in meinem Leben mache" - "verführt". "Eigentlich fühlte ich mich nicht kompetent, nicht gebildet genug", so Bennent. Was bei Deneuve "Unvoreingenommenheit" ist, sei bei ihm "eher Dummheit", lachte Bennent. Er könne nicht mehr tun, als "einigermaßen so auszusehen wie Freud. Aber eigentlich bin ich ein schlechter Imitator". (APA)

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