Arge Ideen

14. August 2010, 11:50
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Die FIFA verweigert weiterhin den Videobeweis, will aber das Remis abschaffen - Zwei gefährliche Ideen

Josef Blatter wehrt sich in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin weiter gegen die Einführung eines Videobeweises. Das würde das Spiel unterbrechen und dessen dynamische Natur zerstören, bleibt die automatisierte Antwort am Anrufbeantworter des Weltverbandes.

Lassen wir einmal außer Acht, dass ein Fußballmatch ohnehin nur eine Nettospielzeit von 50 bis 60 Minuten hat, und es vermutlich besser wäre auf zwei bis drei weitere zu verzichten, als regelmäßig Spiele von kleinen bis unfassbaren Fehlern entscheiden zu lassen. Und vergessen wir, dass die FIFA auch gerne Ideen bespricht, zusätzliche Pausen einzuführen oder die Pausen zu verlängern (was natürlich nichts mit der lukrativen Werbezeit zu tun hat).

Auch wenn man das Argument gelten lässt, scheint die Kreativität der alten Herren frustrierenderweise bei der Idee zu enden, dass der Hauptschiedsrichter das Spiel abpfeift, zur Seitenlinie rennt und dort auf einem Bildschirm die Szene erneut ansieht. Den vierten oder einen fünften Offiziellen mit der Aufgabe zu betrauen, per Funk in groben, genau definierten Fällen einzugreifen, das scheint als Gedankengang zu abstrakt, als dass die FIFA es überhaupt erwägen würde. Der Videobeweis würde das Spiel zerstören, punkt aus.

Abseits-Tore wie der Treffer von Roland Linz gegen Sturm im Vorjahr oder jener von Carlos Tevez im Achtelfinale gegen Mexiko bleiben damit ebenso wie die übersehene Tätlichkeiten von David Villa, das irreguläre Tor von Thierry Henry gegen Irland und falsche Elfmeterentscheidungen in die ein oder andere Richtung ein ungerechter Teil eines Sports, der sich so gern mit dem Wort Fairplay schmückt.

Eine zweite Idee hat sich Blatter vom Focus entlocken lassen, die das Spiel wahrscheinlich deutlicher verändern würde, als der Videobeweis: In den WM-Vorrunden solle es keine Unentschieden mehr geben. Davon erhofft sich der Weltverband mehr Risiko von den Mannschaften. Gleichzeitig will er auch die Verlängerung abschaffen. Praktisch würde das bedeuten: Schwache Mannschaften könnten in schwierigen Spielen die Offensivbemühungen ganz aufgeben. Schließlich hätte man nach 90 Minuten im Elfmeterschießen eine 50:50 Chance auf drei Punkte.

Als Alternative zum direkten Elfmeterschießen bietet Blatter das Golden Goal an. Die vielleicht brutalste Regel im K.O.-Wettbewerb, die mit einer einzigen Aktion das ganze Spiel auf den Kopf stellen und beenden kann und somit auch nicht gerade die Risikofreude beflügelt. 

Doch trotz der Befürchtung, dass die Modusänderung nach hinten losgehen könnte: Gegen die Erprobung lässt sich nichts einwenden. Wer so radikale Änderungen ins Auge fasst, sollte halt vor einem längst überfälligen Videobeweis nicht ganz so reflexhaft zurückschrecken. (tsc, derStandard.at, 14.8.2010)

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