Handys, einfach und indisch

14. August 2010, 09:49
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Für Handyhersteller ist Indien ein lukrativer Absatzmarkt - Heimische Produzenten funken ihnen dazwischen.

Noch vor zwei Jahren hatten die Handy-Goliaths Nokia, Samsung und LG den am schnellsten wachsenden Mobilfunkmarkt Indien fest im Griff. Doch dann tauchte ein kleiner David auf, der sich mit auf indische Bedürfnisse zugeschnittenen Mobiltelefonen mittlerweile zum drittgrößten Anbieter hochgefunkt hat: Micromax.

Die Idee, sich ins Handybusiness zu wagen, kam den Firmeninhabern im Sommer 2007 in einem kleinen indischen Dorf. Sie beobachteten, wie sich eine Menschenschlange vor einem Mann bildete, auf dessen Fahrradständer eine Autobatterie festgezurrt war. Gegen ein paar Rupien betankte er Mobiltelefone mit Strom, denn wie viele andere Orte verfügten das Dorf nur eingeschränkt über einen Stromanschluss.

"Es war das Naheliegendste, so etwas zu entwickeln"

Ein Jahr später verkaufte Micromax sein erstes Handy, das X1i. Es hatte zwar nur einen kleinen Bildschirm, war dafür aber mit einer überdimensionierten Batterie ausgestattet. Fünf Tage konnten die Nutzer damit telefonieren, die Standby-Zeit betrug einen Monat. "Es war das Naheliegendste, so etwas zu entwickeln", erzählt Vikas Jain im Gespräch mit der BusinessWeek. Er und drei seiner Freunde hatten Micromax Technologies 1991 als IT-Distributor gegründet. "Wir boten den Leuten etwas, um das sich kein anderer Hersteller scherte: Batteriedauer."

37 Handys hat das in Gurgaon nahe Neu-Delhi lokalisierte Unternehmen in den vergangenen eineinhalb Jahren auf den Markt gebracht. Entworfen werden sie in Indien. Gefertigt werden sie wie in der gesamten Branche üblich in China oder Taiwan.

WiFi (WLAN), 3G-Mobilfunk oder GPS-Nutzung sind bei den Micromax-Handys kein großes Thema. Das hält die Kosten niedrig, zumal UMTS und Internet in dem 1,2 Milliarden-Menschen-Land erst wenig verbreitet sind. Die Preise starten bei umgerechnet 30 Euro.

Preisschiene

Das Unternehmen setzt aber nicht nur auf die Preisschiene. Im Portfolio befinden sich etwa auch Dual-SIM-Handys, mit denen Nutzer unter zwei verschiedenen Nummern unterschiedlicher Provider erreichbar sind. Sie können so immer zum jeweils günstigsten Tarif telefonieren oder SMS verschicken. Andere Modelle lassen sich gleichzeitig als TV-Fernsteuerung oder als Steuerung für Videospiele verwenden. Für beautybewusste Frauen wurde ein Gerät mit Zirkonia-Steinen und Spiegel verziert.

Neben den Big Playern und Mic-romax buhlen noch an die 30 Hersteller um den zehn Mrd. Dollar schweren Handygerätemarkt. Rund 100 Mio. Stück werden jährlich verkauft. Mit einem Anteil von nahezu zehn Prozent ist Micromax jedoch der "local hero". Der einst kleine David hat heute Büros in Hongkong, Dubai, Nepal und USA. "Indische Handys werden bald überall zu finden sein", ist Firmenchef Jain überzeugt. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 14. August 2010)

 

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