Schwere Unwetter im Osten Österreichs

14. August 2010, 12:22
425 Postings

Behinderungen im Straßenverkehr und bei Wiener Öffis - Flughafen Wien vorübergehend gesperrt - Keine Entwarnung - Mit Videos

St. Pölten/Wien - Die schweren Gewitter haben am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag den Wiener Einsatzkräften Dauerstress beschert: Die Feuerwehr hatte rund 400 Einsätze zusätzlich zum normalen Geschäft zu absolvieren, auch die Kanalarbeiter mussten Schwerstarbeit verrichten. Die Wiener Linien stellten für rund 30 Minuten den Betrieb komplett ein. Hauptbetroffen waren die südlichen Bezirke Simmering, Favoriten und Meidling. Die gute Nachricht: Verletzte gab es nicht.

"Die Feuerwehr löste erhöhte Einsatzbereitschaft aus", sagte deren Sprecher Alexander Markl am Samstag. Die Einheiten waren praktisch nur mehr mit Blaulicht unterwegs. Vor allem überflutete Keller und Unterführungen mussten die Einsatzkräfte auspumpen. So war der Altmannsdorfer Ast überflutet und vorübergehend gesperrt. Erst Samstag früh gab es laut ÖAMTC keine Behinderungen mehr. Auch am Schöpfwerk gab es viel zu tun.

YouTube-Video: Wasserfontäne aus Kanal am Wiener Schwarzenbergplatz.

Neben den Abpumparbeiten kümmerten sich die Feuerwehrleute auch um umgestürzte Plakatwände. In der Simmeringer Schmidgunstgasse wurde ein Haus abgedeckt. Das Dach beschädigte drei Pkw, Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Daneben mussten die Einsatzkräfte auch noch zum Brand eines Gartenhauses am Sonnheimweg in der Donaustadt ausrücken. Warum es zu dem Feuer kam, war zunächst unklar. Der Einsatz dauerte mehr als zweieinhalb Stunden.

Stopp für Wiener Öffis

Die Wiener Linien mussten gegen 22.30 Uhr den Betrieb für knapp eine halbe Stunde komplett einstellen. Überflutete Straßen und Unterführungen, abgebrochene Äste und Gleisanlagen sowie laut ZAMG auch die ungewöhnlich hohe Zahl der Blitze, die im Boden einschlugen, machten ein sicheres Fortkommen der Öffis vorübergehend unmöglich. Bis Betriebsschluss normalisierte sich die Lage aber wieder.

Die Wiener Kanalarbeiter hatten punktuell mit rund 50 Litern Regenwasser pro Quadratmeter zu kämpfen, hieß es bei der Wien Kanal in einer Aussendung. Sieben Prozent der Jahresregenmenge sei innerhalb von 30 Minuten gefallen. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) registrierte in Unterlaa 47 Liter pro Quadratmeter. "In seiner Intensität hat das Regenereignisse der vergangenen Nacht jenes vom 13. Mai 2010 bei weitem übertroffen", so die Wien Kanal.

YouTube-Video: Der Bereich Schottentor wurde zum Überschwemmungsgebiet.

Extrem viele Blitze

Die Zahl der Blitze war laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) das herausragende Ereignis des Unwetters, das am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag über dem Osten Österreichs niederging. Rund 10.000 Blitze waren es, auffallend war vor allem der hohe Anteil der Erdblitze. Diese führten auch zu den großen Behinderungen im Verkehr.

"Es war ein mächtiger Gewitterkomplex, der aus Südosten kam und vor allem das Burgenland, das südliche Niederösterreich und Wien traf", sagte eine ZAMG-Mitarbeiterin zur APA. Es habe sich zwar einige Stunden zuvor bereits abgezeichnet, dass sich etwas Großes zusammenbraut. "Dass es so heftig wird, konnte man sich nicht erwarten." Ein Gewitter, das Freitagmittag über Wien niederging, führte dem Unwetterkomplex in diesem Fall weitere feuchte Energie zu und machte ihn noch kräftiger. Schwer getroffen wurde auch Ungarn.

Weniger spektakulär sah die ZAMG die Regenmengen: 60 Liter pro Quadratmeter waren es in Gumpoldskirchen, 47 in Wien-Unterlaa und 43 in Eisenstadt. Auch die Sturmböen hielten sich eher in Grenzen.

Die Gewittergefahr dürfte das gesamte Wochenende über ein Begleiter bleiben. Neben zwischenzeitlichem Sonnenschein kann es immer wieder zu Regenschauern kommen. Vor allem in Kärnten sollte man laut ZAMG-Homepage die Möglichkeit von Gewittern einkalkulieren.

Flughafen Wien gesperrt

Von den heftigen Gewittern am Freitagabend war auch der Flughafen Wien in Schwechat betroffen und vorübergehend gesperrt. Nach Angaben eines Sprechers musste für etwa eine Stunde "das Handling aus Sicherheitsgründen unterbrochen" werden.  Insbesondere die Austrian Airlines waren von der Flughafensperre betroffen. 17 Flüge mussten vorwiegend nach Linz, aber auch nach Graz umgeleitet werden, sagte ein Sprecher am Samstag. Die Kurse landeten in der Folge mit eineinhalb bis zwei Stunden Verspätung - und den Passagieren - in Schwechat.

Verzögerungen habe es auch bei drei Abflügen gegeben. Die Verspätungen hätten bis zu zweieinhalb Stunden betragen, so der AUA-Sprecher.

Hochbetrieb in Hörsching

Durch die Umleitung einiger Flüge gab es am Flughafen Linz-Hörsching in Oberösterreich Hochbetrieb. Insgesamt landeten am "blue danube airport" elf Flugzeuge im Zwei-Minuten-Takt, so der Betriebsleiter des Flughafens, Markus Kugler.

Die erste Maschine landete um 21.52 Uhr, um 22.15 waren alle elf Flieger am Boden. Bei acht Maschinen blieben die Passagiere an Bord, bei drei weiteren wurden die Fluggäste mit Bussen weitertransportiert. Laut Kugler herrschte in Linz ein Betrieb wie auf einem Großflughafen: "Unser Personal hat alles sehr gut aufgearbeitet. Da wir unter der Woche sowieso stärker besetzt sind als am Wochenende, mussten wir auch keine zusätzlichen Arbeitskräfte anfordern. Auch von Kunden haben wir schon positive Rückmeldungen über die gute Abwicklung erhalten."

Um 23.12 Uhr traten die frisch aufgetankten Flieger den Weg nach Wien an. Um 00.38 Uhr, als die letzte Maschine abhob, kehrte am Linzer Flughafen wieder Ruhe ein.

Brände durch Blitzschläge in Niederösterreich

Während der heftigen Gewitter ist es in Niederösterreich auch zu Bränden durch Blitzschläge gekommen. Betroffen waren u.a. die Burg Hardegg (Bezirk Hollabrunn) und ein Heurigenlokal in Höflein (Bezirk Bruck a.d. Leitha). Starkregen hatte außerdem Überflutungen zur Folge. Die Feuerwehren verzeichneten 280 Einsätze, etwa die Hälfte davon im Bezirk Baden, teilte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos, mit.

Der Brand im Westturm der Burg Hardegg war am Samstag gegen 2.00 Uhr entdeckt worden, berichtete die Sicherheitsdirektion. Laut Resperger stand der Dachstuhl zum Teil in Flammen. Das Feuer wurde rasch gelöscht. Bereits gegen 2.30 Uhr hieß es "Brand aus". Die Höhe des entstandenen Schadens war vorerst nicht bekannt. Verletzt wurde niemand.

Durch einen Blitz, der neben dem Rauchfang eingeschlagen hatte, brach am Freitag gegen 22.10 Uhr auf dem Dach eines derzeit nicht in Betrieb befindlichen Heurigenlokals in Höflein ein Brand aus. Die Löscharbeiten dauerten etwa eine Stunde. Der entstandene Sachschaden wurde von der Polizei als erheblich bezeichnet. Zu Bränden durch Blitzschläge kam es Resperger zufolge außerdem auf einem Bauernhof in Großweikersdorf (Bezirk Tulln) und in Eggenburg (Bezirk Horn), wo ein Strommast betroffen war.

Neuerliche Unwettereinsätze gab es in Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn), das erst am vergangenen Wochenende von Überflutungen heimgesucht worden war. Keller wurden unter Wasser gesetzt, so Resperger. Fünf Feuerwehren rückten aus. Die Pulkau trat nicht über die Ufer. In Obermarkersdorf (Bezirk Hollabrunn) stürzte ein Telefonmast auf die L1065. Während des Unwetter hatte sich die Halterung gelöst, berichtete die Sicherheitsdirektion. Die Feuerwehr beseitigte die Behinderung.

Gewittersturm beschädigte Festzelt im Bezirk Korneuburg

Dramatisch ging es in Weinsteig in der Gemeinde Großrußbach (Bezirk Korneuburg) zu. Dort hob ein Gewittersturm am späten Freitagabend ein 25 mal 60 Meter großes Festzelt der Landjugend um bis zu einen dreiviertel Meter an und riss die Bodenanker aus, so die Sicherheitsdirektion. Die Organisatoren reagierten sofort und brachen die Veranstaltung ab. Verletzt wurde niemand. An dem Zelt entstand erheblicher Sachschaden.

Resperger berichtete allein von 134 Unwettereinsätzen im Bezirk Baden. 13 Feuerwehren mussten vor allem Auspumparbeiten durchführen.

Wegen Überflutung war die Unterführung auf der S1 zwischen Mannswörth und Schwechat-Ost (Bezirk Wien-Umgebung) vorübergehend unpassierbar, teilte die Sicherheitsdirektion mit. Kurz nach Mitternacht musste auch der Knoten Vösendorf gesperrt und der Verkehr auf die A23 umgeleitet werden. Um 2.20 Uhr wurde die Richtungsfahrbahn Vösendorf, etwa 20 Minuten später auch die Richtungsfahrbahn Schwechat wieder für den Verkehr freigegeben.

In Bad Erlach (Bezirk Wiener Neustadt) ging eine Mure auf die L142 ab. Die Feuerwehr rückte mit einem Radlader aus, um die Erdmassen zu beseitigen. In Guntramsdorf (Bezirk Mödling) wurde die L2098 überflutet und musste vorübergehend gesperrt werden.

Feuerwehr-Großeinsatz in Burgenland

Auch im Burgenland haben die Regengüsse für eine einsatzreiche Nacht bei den Feuerwehren gesorgt. Rund 800 Florianijünger waren stundenlang mit überfluteten Kellern und umgestürzten Bäumen beschäftigt. Insgesamt waren 52 Feuerwehren in den Bezirken Eisenstadt-Umgebung, Mattersburg sowie Oberpullendorf und Oberwart zu etwa 200 bis 250 Einsätzen ausgerückt, hieß es beim Landesfeuerwehrkommando (LFK) Burgenland heute, Samstag. Verletzte gab es laut Landessicherheitszentrale Burgenland keine.

"Der Schwerpunkt lag im Bezirk Eisenstadt-Umgebung und in Eisenstadt selbst, gefolgt vom Bezirk Mattersburg", so Michael Hauser von der Alarmzentrale gegenüber der APA. "Auch in den Bezirken Oberpullendorf und Oberwart waren Keller überflutet, die Einsätze waren dort aber nur punktuell", sagte er.

Allein in der Landeshauptstadt fielen Freitagabend laut LFK in einer Stunde 61 Liter Regen pro Quadratmeter. Zahlreiche Straßen standen binnen weniger Minuten unter Wasser: "Das Kanalsystem war mit dieser Regenmenge überfordert", erklärte Hauser. Auch das Open-Air-Konzert von 80er-Jahre-Ikone Nena im Eisenstädter Schlosspark musste nach nur zwei Songs abgebrochen werden.

Heute, Samstag werden Restarbeiten erledigt: "Die Feuerwehren von Donnerskirchen (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) und Eisenstadt sind beispielsweise schon wieder im Einsatz", sagte Hauser. (red/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Land unter hieß es am Freitag Abend an vereinzelten Orten Wiens. Die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun und sogar die Öffis mussten vorübergehend ihre Dienste einstellen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Viele suchten unter überdachten Haltestellen Schutz vor dem heftigen Regen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Wiener Feuerwehren (hier in Simmering zugange) kamen mit dem Abpumpen der Wassermassen aus überfluteten Kellern und Unterführungen kaum nach.

Share if you care.