Deutschland ohne Mitspieler

13. August 2010, 19:43
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Allein Deutschland ist es zu verdanken, dass die europäische Konjunktur derart positiv überraschen konnte - Von Lukas Sustala

Europas Wirtschaftsaufschwung ist schwarz-rot-golden. Wenn schon der Weltmeistertitel im Fußball nicht gewonnen ist, dann darf sich Deutschland zumindest über den Wachstumspokal freuen. Denn allein Deutschland ist es zu verdanken, dass die europäische Konjunktur derart positiv überraschen konnte. Das ist zwar ein gutes Signal, doch die Strukturprobleme der Währungsunion sind mit dem Wachstumsgeschenk nicht gelöst.

Denn die Eurozone ist weiterhin keine Währungsgemeinschaft. Die Spieler im Wirtschaftsraum haben einen derart unterschiedlichen Stil, dass man den europäischen Teamgedanken vermisst. Während Deutschland dank Exporten zum Sprint ansetzen kann, hängen Griechenland, Spanien und Irland hilflos in einem Netz aus Schulden, hohen Lohnkosten und angeschlagenen Banken. Die meisten Osteuropäer stehen überhaupt im Wachstumsabseits.

Die jüngste Dynamik kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die notwendige Neuorientierung der Währungsunion nicht angegangen wurde. Griechenland und Spanien haben wegen ihrer hohen Inflationsraten an Wettbewerbsfähigkeit verloren, sodass an einen selbsttragenden Aufschwung dort nicht zu denken ist.

Das Exportfeuer Deutschlands in Ehren: Wenn die nachbarlichen Spitzenspieler nach ihrem Sprint ausgelaugt sind, verkommt Europas Spiel unweigerlich zum Nudelkick. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.8.2010)

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