Rhonda Smith und ihre Erklärungsnot

13. August 2010, 19:35
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Die US-Pensionistin war so etwas wie die Kronzeugin in der Affäre um hängen gebliebene Gaspedale bei Toyota. Nun kam alles anders

Rhonda Smith war so etwas wie die Kronzeugin der Toyota-Affäre. Es gab auch andere Zeugen, alle hatten Dramatisches zu berichten, immer ging es um Autos, die sich aus unerfindlichen Gründen selbstständig machten. Keiner wirkte so glaubwürdig wie Rhonda Smith, eine pensionierte Sozialarbeiterin aus dem Bundesstaat Tennessee.

Wieder und wieder schilderte sie, wie sie die Kontrolle über ihren Lexus verlor. Sie fuhr auf die Autobahn und wechselte in die zweite Spur, wo der Wagen zu rasen begann, wie von einem fernen Magneten angezogen. Bald zeigte der Tacho 100 Meilen pro Stunde, mehr als 160 km/h, für US-Verhältnisse unerhört schnell. "Ich trat auf die Bremse, mit beiden Füßen, so kräftig ich konnte. Sogar den Rückwärtsgang hab' ich eingelegt. Es half alles nichts" , erzählte Smith einem Kongressausschuss. "Nach sechs Minuten hat Gott eingegriffen." Irgendwie kam der Lexus zum Stehen.

Spott und Hohn

Die blonde Rhonda wurde zum Symbol: die tapfere Kämpferin im Clinch mit einem Weltkonzern. Bei Toyota wimmelte man sie ab, was patriotische Kolumnisten mit bissigen Kommentaren bedachten. Typisch, hieß es, da überschwemmten diese arroganten Japaner den amerikanischen Markt, aber sobald es ans Fehler-Zugeben gehe, schalteten sie auf stur. "Schande über euch, Toyota!" , rief Smith theatralisch im Parlament.

Nun die Wende. Spottlustige Zeitgenossen wollen die Frau aus Tennessee für den Schauspielpreis nominieren. Andere raten, eher generell, die laxen Fahrprüfungen zu erschweren.

Toyota sieht sich entlastet. Die Verkehrssicherheitsbehörde hat die Fahrtenschreiber ausgewertet. 58 Fälle unkontrolliert beschleunigender Pkws wurden untersucht. 35-mal haben die Fahrer überhaupt nicht gebremst, neunmal erst im allerletzten Moment, in einem Fall zugleich Gas gegeben. Nur einmal war das Gaspedal an der Fußmatte hängengeblieben. Elektronikprobleme wurden nicht festgestellt - eine späte Genugtuung für Akio Toyoda, den Toyota-Chef. Und Rhonda Smith schweigt. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.8.2010)

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    Rhonda Smith, hier bei einem Hearing in Washington im Februar,

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