Der Verbrenn-einen-Koran-Tag

13. August 2010, 20:41
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Eine Kirche in Florida ruft zur Bücherverbrennung auf, konservative Aktivisten fordern ein Bauverbot für Moscheen im ganzen Land

Eine laute Minderheit propagiert derzeit in den USA Islamfeindlichkeit auf einem neuen Niveau.

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Washington - Am 11. September ist der internationale Verbrenn-einen-Koran-Tag - zumindest in der Dove-World-Outreach-Kirche in Florida. Ihr Reverend hat ihn ausgerufen, um zu zeigen, "dass der Koran die Menschen in die Hölle führt". Über 4000 Fans hat die Veranstaltung bereits auf Facebook. Vor der Kirche in Gainesville steht ein Schild, auf dem "Der Islam kommt vom Teufel" geschrieben steht, auf der Website bietet die Gemeinde gratis Essen und Unterkunft für Frauen, die vor dem Islam fliehen wollen.

Begonnen hat alles mit einem islamischen Zentrum in New York. Die "Cordoba Initiative", ein muslimischer Verein "zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Moslems und dem Westen", möchte in Manhattan ein 13-stöckiges Kulturzentrum mit Gebetsraum bauen - zwei Blocks entfernt von Ground Zero. Seither mehren sich im ganzen Land die Proteste.

In New York kämpfen Bürger gegen eine Moschee in Brooklyn und eine auf Staten Island. In Murfreesboro in Tennessee erschienen hunderte Demonstranten auf einer Kundgebung gegen einen muslimischen Gebetsraum in einem Einkaufszentrum. Und in Sheboygan, Kalifornien, gingen konservative Aktivisten mit Hunden zum Freitagsgebet, weil die Tiere manchen Moslems als unrein gelten.

"Wir sollten sicherstellen, dass keine Bewilligung für eine Moschee in diesem Land mehr erteilt wird", fordert Bryan Fischer von der konservativen "American Family Association" in seinem Blog. "Und schon gar keine für die Monströsität am Ground Zero." Dafür ist es freilich zu spät: Der Bau ist bereits genehmigt, wann die Arbeiten starten, ist unklar.

"Seit den missglückten Anschlägen in Detroit im Dezember erleben wir einen unglaublichen Anstieg der Islamophobie", sagt Ibrahim Hooper vom "Council on American-Islamic Relations". "Nicht einmal nach 9/11 konnten wir so etwas beobachten."

Seit die Pläne für die "Moschee am Ground Zero" öffentlich wurden, verbringt Hooper viel Zeit in Talkshows, wo er Leuten erklären muss, warum der Bau in New York nichts damit zu tun hat, dass die muslimischen Eroberer Jerusalems um 700 eine Moschee auf dem Tempelberg errichteten.

Die New York Times ortet eine neue Qualität der Proteste: "Früher wollten die Leute keine Moscheen in ihrer Nachbarschaft, weil sie sich angeblich vor dem Lärm und mehr Autos in der Gegend fürchteten. In den neuen Konflikten sagen die Moscheegegner: Unser Problem ist der Islam." Bei vielen Demonstrationen gegen Moscheen kommen jedoch auch Demonstranten gegen die Demonstranten - und sie sind oft in der Überzahl. Auch in Manhattan, wo das Zentrum am Ground Zero einmal stehen soll, ergab eine Umfrage, dass eine Mehrheit für den Bau ist. In den äußeren Bezirken New Yorks sind die meisten Einwohner dagegen.

1900 Moscheen gibt es derzeit in den USA - und die leisten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass sich junge Moslems nicht radikalisieren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Duke University und der University of North Carolina, die im Jänner vorgestellt wurde. Muslimische Gemeinden in den USA verurteilen demnach fast alle Gewalt, stellen Mitglieder zur Rede, die radikale Ansichten äußern, und melden sie im Zweifelsfall auch den Behörden. (tob, DER STANDARD, Printausgabe 14./15.8.2010)

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    Eine Frau demonstriert gegen einen Gebetsraum in einem Warenlager in Temecula, Kalifornien. In den gesamten USA kommt es derzeit vermehrt zu Protesten gegen islamische Einrichtungen.

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