Verdacht

Ringelspiel bei Hypo-Kapitalerhöhung

13. August 2010, 18:18

Ex-Banker könnten bei Vorzugsaktiengeschäften die Bank getäuscht haben

Komisch sind die Geschäfte der Notenbank (OeNB) schon 2007 vorgekommen. In einem Vor-Ort-Bericht vermutete die OeNB bereits damals, dass die Hypo Kärnten bei der Ausgabe von Vorzugsaktien im Jahr 2004 eigenes Geld im Kreis geschickt haben könnte. Bei den aktuellen Ermittlungen erhärtete sich dieser Verdacht offenbar.

Abgewickelt wurde die Kapitalerhöhung im Ausmaß von 100 Mio. Euro über die liechtensteinische Hypo-Leasingtochter HLH. Die Vorzugsaktien wurden damals über diverse Vehikel von elf Investoren gekauft. 55 Mio. Euro wurden beispielsweise von der Kärntner BC Holding AG gezeichnet. Hinter ihr stand der Anwalt Gerhard Kucher. Finanziert wurde das Ganze mit einem Kredit der Hypo Liechtenstein. Im Grunde hat sich die Bank also selbst die Kapitalerhöhung finanziert.

Die Identität der meisten anderen Vorzugsaktionäre, die das Geld für die Kapitalerhöhung laut OeNB-Prüfbericht ebenfalls über Kredite bekommen hatten, blieb der Aufsicht zunächst verborgen. Die Prüfer schrieben damals im Mai 2007: "Unter Berufung auf das liechtensteinische Bankgeheimnis konnten Auskünfte (...) seitens der Bank und Aufsicht nicht erteilt werden."

Liechtenstein-Akten

Klar war aber, dass mehrere Investoren aus dem Umfeld der Ex-Bankchefs Chef Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger stammten. Mit an Bord war beispielsweise die MA Privatstiftung, bei der ein Geschäftsfreund Striedingers Stifter war. Oder die Privatstiftung Annagasse, die zur Gruppe der Vienna Capital Partners (VCP) unter Investmentbanker Heinrich Pecina gehört.

Bei den aktuellen Ermittlungen tauchte dann aber auch der Verdacht auf, dass Kulterer sowie weitere Vorstände selbst an Bord gewesen sein könnten.

Klärendes dazu dürfte die von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt in Vaduz beantragte Öffnung von Gesellschaften und Stiftungen gebracht haben. In den letzten Wochen wurden entsprechende Akten nach Österreich geschickt.

Im Kern geht es also um die Frage, ob die Ex-Banker selbst von den Vorzugsaktien profitiert haben. Diese wurden mit einer garantierten Dividende von 6,25 Prozent ausgegeben. Für die Kredite, mit denen sie gekauft wurden, mussten nur 4,5 Prozent Zinsen gezahlt werden. Die Gremien der Bank sollen von den Geschäften nicht informiert gewesen sein. Die Beschuldigten bestreiten alle Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung. (go, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.8.2010)

Kommentar posten
11 Postings
takayama
00
15.8.2010, 09:09
Die ÖNB

hat die bestbezahlten und privilegiertesten MitarbeiterInnen in diesem Land.
Na gut.
Wenn man nicht nur den Neid walten läßt, dann sollte man wenigstens erwarten dürfen, dass dort erstklassige Arbeit für erstklassiges Geld und Super-Pensionen getan wird.
Wie sehr VIELE Fälle aus den letzen 20 (!) Jahren zeigen, ist die ÖNB als Kontrollinstanz
auch nur zum Krenreiben.
Also, was tun mit der ÖNB?

Comedian
00
14.8.2010, 01:33
Die Prüfer 2007 der OeNB waren offenbar echte Kapazunder

Die Wirtschaftsprüfer 2004 gehören aus dem Verkehr gezogen.

also dann ...
01
13.8.2010, 23:57
eigenartig : hier ist das geld_ringelspiel

offensichtklich aufgeflogen - beim julius und MEL jedoch nicht ...

aber da war ja (eine schuldsvermutung) k h g
involviert - oder doch nicht ???

breiter
00
13.8.2010, 23:19
KEST in Liechtenstein

..wäre zumindest mir neu....

a number only
00
13.8.2010, 23:43

meines Wissens waren nicht alle Investoren über LI Stiftungen, stand irgendwann im Standard; aber selbst wenn KESt frei ist das nicht berauschend, oder?

a number only
51
13.8.2010, 18:58

Wie meint der Redakteur: "mussten nur 4,5% Zinsen zahlen"?
Also man zahlt Jahr für Jahr fix 4,5% Zinsen für einen Betrag x, z.B. für den Betrag von 10 Millionen Euro. Und man erhält für sein verborgtes Geld max. 6,25% Vorzugsdividende, allerdings nicht garantiert, sondern je nach wirtschaftlichem Ergebnis jedes Jahr neu festgelegt. Und von diesen 6,25% zahlt man 25% KESt. Das Ganze mit der Übernahme wirtschaftlichen Risikos, dass eben der notwendige Ertrag seitens der Bank nicht erzielt wird (jetzt wissen wir ja, dass das einrealistisches Szenario ist) und mit dem Hintergrund, dass die Bank die Aktien zum Nominale retour nehmen (darf) und man keine Kursdifferenz lukriert, etc.
Würden da viele nicht doch eher zum sicheren Sparbuch greifen?

Karl Krammer
00
15.8.2010, 12:33
eben

aber da der Durchschnittsbürger nicht mal den Unterschied zwischen Aktie und Anleihe oder zwischen Stamm- und Vorzugsaktien kennt, ist der Aufwand für die Erklärung vergebens, das ist wie Perlen vor die Säue werfen.
Das war wahrscheinlich das einzige halbwegs legale Geschäft, daß da abgelaufen ist, aber ausgerechnet an dem hängen sie sich auch. Erinnert mich an Capone, der haufenweise Leute straflos umnieten konnte, aber wegen Steuerhinterziehung haben sie ihn eingebuchtet. Lächerlich.

polzinho
00
14.8.2010, 02:41
deal!

wenn sie mir 6.25% vorzugsdividende garantieren, dann nehme ich um 4.5% bei ihnen einen kredit und stelle ihnen das geld zur verfügung, um damit zu arbeiten.

in ordnung?

dafür bezahl ich ihnen von mir aus auch 0.20% als prämie auf ein sparbuch p.a., damit wir alle bedenken verztreuen.

bitte den betrag X einsetzen

Comedian
01
14.8.2010, 01:40
Sie können sicher sein, dass für die 6,25% Vorzugsdividende keine KEST bezahlt wurde.

Sie können auch sicher sein, dass eine Garantiedividene auch garantiert ausgeschüttet wird.
Und sie können sicher sein, dass niemand zum Sparbuch greift :)

Mr. Mag.
00
13.8.2010, 20:58
0,19% bleiben über........

Die 4,5 % waren sicher fix damit im besten Fall 0,19% jährlich überbleiben.
Das nenn ich Untreue und Betrug an sich selbst!

a number only
00
13.8.2010, 21:56

Ist das auch einklagbar?

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