Ausgebrannter Jan Ullrich blitzt vor Gericht ab

13. August 2010, 16:17
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Gefallener Radstar leidet an einem Burn-Out-Syndrom - Im Rechts­streit gegen Dopingjäger Werner Franke musste er eine klare Niederlage einstecken

Hamburg - Seelisch ausgebrannt und juristisch wohl am Ende: Vier Jahre nach dem Aus im Rennsattel ist Ex-Radstar Jan Ullrich hart auf dem Boden der Realität gelandet. Mit der Niederlage im Rechtsstreit gegen Dopingjäger Werner Franke und der zeitgleichen Bekanntgabe seines Burn-Out-Syndroms erlebte der Toursieger von 1997 am Freitag einen seiner schwärzesten Tage.

Unterlassungsklage abgewiesen

Das Landgericht Hamburg sah es als Tatsache an, dass Ullrich allein 2006 insgesamt 55.000 Euro für Dopingzwecke an den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gezahlt habe. Daher wies die Kammer die Unterlassungsklage des ehemaligen Radprofis gegen Franke ab. Der Heidelberger Biologe und Dopingexperte hatte schon vor vier Jahren erklärt, dass Ullrich in einem Jahr mindestens 35.000 Euro an Fuentes überwiesen habe.

"Wenn Ullrich ein Fünkchen Anstand hätte, würde ich spätestens jetzt mal eine Entschuldigung von ihm erwarten", sagte der 70-Jährige. In den vier Jahren der juristischen Auseinendersetzung habe er viele Dokumente gesammelt, die belegen, dass Ullrich "erwiesenermaßen Fuentes-Kunde" war, so Franke: "Eigentlich ist es ein Skandal, dass die Sache so lange gedauert hat. Aber in Deutschland gilt eben ein besonderer Schutz für Promis."

Überweisungen gelten als wahr

So gehen die Geldzahlungen an Fuentes aus den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft klar hervor. Das Gericht stellte nun fest, dass die Behauptung, es habe diese Überweisungen gegeben, "als wahr zu gelten" hätte. Im Zuge des Verfahrens habe Ullrich nicht mehr bestritten, für die Herstellung von Erythrozytenkonzentrat aus seinem Blut 55.000 Euro an Fuentes gezahlt zu haben, hieß es in der Urteilsbegründung.

Dabei gibt es eine eidesstattliche Erklärung von Ullrich, in der er bestreitet, solche Kontakte zu Fuentes gehabt zu haben. "Ullrichs Aussage, er habe nie eine Verbindung zu Fuentes gehabt - die mir von ihm unterschrieben vorliegt - ist damit eindeutig falsch", sagte Franke.

Mit Berufung wird nicht gerechnet

Sein Anwalt Michael Lehner geht deshalb davon aus, dass die Gegenpartei nicht in Berufung geht: "Für Ullrich kann es nur noch schlimmer werden. Ich könnte mir vorstellen, dass er die Sache auf sich beruhen lässt", sagte Lehner.

Kurz vor der Urteilsverkündung am Freitag hatte Ullrich auf seiner Homepage mitgeteilt, dass er an einem Burn-Out-Syndrom erkrankt sei und sich deshalb für die kommenden Monate ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen werde. Die Erkrankung sei vor einigen Tagen diagnostiziert worden und erfordere eine längere Behandlung.

Ullrichs Anwalt Marcus Hotze kritisierte das Ggericht für die Abweisung der Klage. "Wir halten die Entscheidung des Gerichts im Kern für falsch", erklärte der Berliner Anwalt. Er fügte auch hinzu: "Aus unserer Sicht gibt es angesichts des Gesundheitszustandes von Jan Ullrich derzeit Wichtigeres als einen Rechtsstreit über die Auslegung von Äußerungen." (sid/APA)

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