"Sich öffnen, entspannen und loslassen"

15. August 2010, 21:43
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    foto: privat

    DIETER CHRISTOPH SINGER (49) ist Psychotherapeut, praktiziert seit seinem 20. Lebensjahr Zen-Meditation. Er ist Zen-Lehrer in Wien und leitet Schweigewochen unter anderem in Kroatien und im Lesachtal.

     

     

Einmal eine ganze Woche lang nichts reden und dabei trotzdem unter Menschen sein: Dieter Christoph Singer, Psychotherapeut und Zen-Lehrer im Interview

Standard: Wer entscheidet sich für eine Schweigewoche und warum?

Singer: Jeder Mensch hat Erfahrungen mit Stille, etwa in der Natur. Das sind oft sehr berührende Momente, und viele spüren die Kraft, die darin liegt. Doch Stille verflüchtigt sich schnell wieder. Die Menschen, die zum Schweigen zusammenkommen, bilden eine Gemeinschaft, die sie trägt. Allein kommt man viel leichter in Versuchung, sein Schweigen vorzeitig abzubrechen.

Standard:  Sind Lebenskrisen eine Motivation?

Singer: Kann sein, muss aber nicht. Es gibt in jedem Leben einen Punkt, an dem man sich fragt: War das jetzt eigentlich alles? Krisen geben da oft den Ausschlag. Oft ist die Motivation für eine Schweigewoche aber auch der Wunsch nach einer Einheit mit sich selbst und die Erfahrung, dass es etwas gibt, was über den eigenen Horizont hinausgeht. Stille ist eine Haltung, eine Achtsamkeit gegenüber sich selbst.

Standard:  Klingt religiös.

Singer: Schweigen hat in vielen Religionen Tradition, aber ist per se nichts Religiöses. Es geht darum, in eine Präsenz zu kommen, um Entspannung und Offenheit, die sich durch aufrechtes Sitzen und bewusstes Atmen einstellt.

Standard:  Bei Zen sitzt man viele Stunden. Ist das nicht auch rein körperlich schwierig?

Singer: Das aufrechte Sitzen, ohne sich dabei zu bewegen, hat sich über die Jahrtausende bewährt. Es öffnet, man sammelt sich, kann entspannen und loslassen. Eine gewisse Übung gehört natürlich dazu. Wer das lange Sitzen nicht schafft, kann auch liegen.

Standard:  Welche Rolle haben Sie in der Schweigewoche?

Singer: Ich begleite die Teilnehmer und mache Schweigen erfahrbar. Dafür gebe ich die Strukturen im Tagesablauf, orientiere mich an Zen-Traditionen. Sie schaffen einen äußeren Rahmen. Wer in die Stille geht, sollte stabil sein, um all die Gefühle, die entstehen, aushalten zu können. Stille kann ja auch Angst machen. Die Konfrontation mit sich selbst kann unerwartete Reaktionen hervorrufen. Wer will, kann aber täglich kurz mit mir sprechen.

Standard: Was ist das übergeordnete Ziel?

Singer:Das Herzstück des Schweigens ist, sich zu lösen von dem, was einen ständig beschäftigt und besetzt hält, und eine Welt wahrzunehmen, die im Alltag untergeht. In der Stille kann man sich selbst und die anderen sein lassen. Die Stille spricht von dem, was einen selbst in der Tiefe angeht, was einen berührt, wo man ganz man selbst ist. Das ist Lebensqualität. Paradox ist, dass, wenn das Denken zur Ruhe kommt, sich die Gedanken klären. Es gibt viele, die erzählen, dass sich nach einer Woche Schweigen Probleme lösen, viele haben aber einfach nur gute Ideen. Wenn Schweigen auf den ersten Blick auch als Einengung gesehen wird, so ist es eine Öffnung. Der Alltag erscheint in einem neuen Licht.

Standard: Wie oft sollte man schweigen?

Singer:Wer einmal erlebt hat, dass Stille ein Jungbrunnen für die Seele ist, will es nicht mehr missen. Idealerweise baut man eine halbe Stunde in den Alltag ein, legt alle drei Monate einen Schweigetag ein. Genaue Regeln gibt es nicht. Die meisten machen zweimal im Jahr eine Schweigewoche. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 16.08.2010)

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15 Postings
jade
00
24.9.2010, 12:48
... erstaunt ...

Schweigen und Stille ermöglichen erst des Lebens Atem zu spüren. Das Dies jedoch ein Mitglied des psychol. Klientel befürwortet erstaunt mich, im positiven Sinne, doch sehr ...........
Der moderne, (in der Regel psychotische) EinheitsMensch, hat vor solcher Konfronation, nämlich der Konfronation mit sich Selbst, allerdings VernichtungsAngst. Der Mensch, in seinen selbst auferlegten Wahn von vollgepappten Mailboxen, Sms, Facebook und Twitter, vermeidet daher solche Erfahrung tunlichst. ....Run Rabbit run, ..... damit Du Dein sinnentleertes Leben nicht zu spüren brauchst........

Lao Che
11
16.8.2010, 13:02
mmmh ... erst mal lustig machen ...

... ein zaghaftes zeugnis von unsicherheit? wenn man sich auf das thema einließe, müßte man sich gar mit sich selbst auseinandersetzen, so richtig; und wer will das schon?

jade
00
24.9.2010, 12:56
.... im Gegenteil ....

versuche 1 Stunde vollkommen bewegungslos zu sitzen und Du wirst feststellen das Dir das unmöglich, weil die Psyche permanent abschweift und dein Drang Dich zu bewegen überhand gewinnt. Stille und Schweigen besänftigen Geist u.Körper.
reinigen Deine Gedanken und lassen Dich tief und erholsam schlafen.

gedanken sind frei
00
20.8.2010, 11:42
alles was recht ist,

aber eine ganze woche schweigen - ich denke, da ist mir die zeit zu kostbar. bin selbst kein großer quatscher und mag es gern ruhig, aber wie gesagt, eine woche scheint mir übertrieben.

da muss ich auch kein zen-meister sein, um das sagen zu können. ich finde, die meisten leute sind einsam genug, ein wenig engen kontakt erlauben, und offene kommunikation mit anderen ist da vielleicht besseres heilmittel. das ist aber alles bloß meine intuition, reines bauchgefühl. könnte natürlich auch völlig falsch liegen. who knows. really.

obiwan
00
26.8.2010, 09:30
Eine Woche schweigen

ist das schönste was ich je in meinem Leben gemacht haben.

Reduziert nur auf sich selbst, sterben und wieder wiederauferstehen.

Eckman
11
16.8.2010, 12:39
"Sich öffnen, entspannen und loslassen"

Das passiert in der Regel 2-3x am Tag, mit Bier, Tee etc. noch öfter. Ist ein natürlicher Vorgang, dafür brauchts auch keinen Therapeuten oder Zen-Lehrer. Und stundenlang dauerts auch nicht... :0)

her wig
30
16.8.2010, 09:24
Scheint für Leute gedacht zu sein

die es sonst nicht schaffen würden auch nur eine halbe Stunde am Tag nicht zu reden.

Tethys
00
16.8.2010, 13:28

Was wissen Sie über Zen-Meditation?

her wig
00
16.8.2010, 17:23

Ich denke eher an den Wert der Abwechslung. Wer in der Wüste ist sehnt sich nach Wasser, wer aber auf See unterwegs ist freut sich auf festen Boden unter den Füssen.

Für den Politiker der niemals still sein darf weil sonst der Konkurrent die Oberhand gewinnt, ja, für den man so eine Rede-Auszeit eine tolle Sache sein. Für den Fließbandarbeiter mit Redeverbot am Arbeitsplatz ist dasselbe aber ein zynischer Hohn.

Tethys
00
17.8.2010, 11:25

Die Frage war: Was wissen Sie über Zen-Meditation?

Lao Che
00
16.8.2010, 18:14
@tethys

her wig weiss augenscheinlich nichts über Zen, geschweige denn Meditation, sonst wüsste er, dass jene auch für den Fließbandarbeiter mit Redeverbot vom Zynismus meilenweit entfernt sind; abgesehen davon ist seine Bemerkung an und für sich zynisch, hier beißt sich die Katze in den Schwanz - ich empfehle das Höhlengleichnis ...

her wig
00
16.8.2010, 22:18

Der echte Zen-Meister wohnt am Berg und kommt *nicht* zu den Menschen, sondern die Menschen zu ihm. Aus diesem Grund kann es hier garnicht um Zen gehen, sondern bestenfalls um eine gruppendynamische Nachahmung.

Tethys
00
17.8.2010, 11:27

Dann unterscheiden Sie bitte zwischen dem Angebot für Zen-Meditaiton in unseren Breiten und der Zen-Meditation als Übung. Ich habe Sie anfangs schon gefragt, was Sie über Zen-Meditation wissen. Die Antwort auf diese Frage sind Sie schuldig geblieben. Falls Sie keine Ahnung vom Thema haben, bitte ich Sie von Aussagen wie "Scheint für Leute gedacht zu sein
die es sonst nicht schaffen würden auch nur eine halbe Stunde am Tag nicht zu reden." Abstand zu nehmen. Sie haben kein Recht über etwas zu urteilen, von dem Sie keine Ahnung haben.

Lao Che
00
16.8.2010, 23:13
her wig ...

... da liegen sie gar nicht so falsch. manch zen-erfahrene reden auch von "gruppenlähmung" - dann, wenn die gruppe zum selbstzweck wird. auch beschreiben sie die notwendigkeit sich ganz bewußt von gruppen zu trennen um eben nicht den typischen prozessen ausgeliefert zu sein die nun mal auftreten, wenn menschen einer gemeinsamen sache folgen - nur, darf man gleichermaßen die inspirationskraft von anderen menschen nicht in abrede stellen - sich versenken kann man am ende ohnehin nur selbst - und sei es zen, yoga oder ein anderer zugang - am ende ist die innere stille, wenn man sie dann einmal erlebt und sei es auch nur für einen moment, eine sehr wertvolle erfahrung - diese, so meine ich zumindest, sollte man nicht zerreden. versuchen sie's.

Für eine Welt ohne Tofu!
22
16.8.2010, 08:59
Ich glaub ich werd Zen-Lehrer.

Dann hab ich Zeit zum öffnen, entspannen und loslassen.

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