Indien droht "Intifada" in Kaschmir

13. August 2010, 16:02
19 Postings

50 tote Zivilisten und 1.200 verletzte indische Soldaten in diesem Sommer

Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit ist der jahrzehntelange Konflikt in der indisch-pakistanischen Grenzregion Kaschmir in diesem Sommer wieder neu aufgeflammt. "Azadi", also "Freiheit", schallt es durch die Straßen der kaschmirischen Sommerhaupstadt Srinagar. Tausende Menschen demonstrieren trotz Ausgangssperre gegen die indischen Behörden und fordern die Unabhängigkeit der Region. 50 Zivilisten kamen heuer bei den Straßenkämpfen ums Leben, die schon den dritten Sommer andauern.

1.200 indische Soldaten wurden im Verlauf von insgesamt 900 Kampfhandlungen in diesem Sommer verletzt. Indien steht einem Bericht der New York Times zufolge der schwersten inneren Krise seit Jahren gegenüber - es drohe ein Konflikt nach Muster der palästinensischen Intifadas.

Enttäuschung nach Rekordwahl

Die Wahl von Omar Abdullah 2008, getragen von der höchsten Wahlbeteiligung in Jahrzehnten, hatte Grund zu Optimismus gebracht, der heute, keine zwei Jahre danach, verflogen scheint. Jüngst hatte Abdullah in der indischen Hauptstadt Neu Delhi um mehr Truppen für seine Provinz angesucht. Premier Singh richtete indes einen Appell an die Demonstranten, Gewaltaktionen einzustellen.

Seit sechzig Jahren herrscht in der Nordprovinz permanente Unruhe. Nach der Teilung Britisch-Indiens 1947 in Indien und Pakistan fand sich die weitgehend muslimische Bevölkerung Kaschmirs in einem vornehmlich hinduistischen Zentralstaat wieder. Spätestens 1989 wandelte sich der im Westen kaum registrierte Konflikt in eine offene, bewaffnete Rebellion.

Es war dabei auch immer mindestens ein Stellvertreterkonflikt, der sich an der umstrittenen Demarkationslinie (Line of Control) zwischen Indien und Pakistan, die auf bis zu 6.000 Metern Seehöhe quer durch das historische Kaschmir verläuft, abspielte. In den vergangenen Jahren wurde es wieder etwas ruhiger, hauptsächlich Jugendliche, die Steine auf indische Sicherheitskräfte werfen, schafften es in die internationalen Bildagenturen. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Umgekehrte Rollen: ein indischer Paramilitär wirft Steine in Richtung eines Demonstranten, der versucht, mithilfe eines Holzpflockes die Wurfgeschoße abzuwehren.

Share if you care.