Indien protestiert gegen Superbakterien-Vorwürfe

13. August 2010, 12:17
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Das Resistenz-Gen soll nicht aus Indien nach Großbritannien gekommen sein

Neu-Delhi/Sydney - Indien hat die Behauptungen britischer Wissenschaftler zurückgewiesen, dass die neuen "Superbakterien", die resistent gegen die wichtigsten Antibiotika sind, aus Indien stammen. Laut BBC bezeichnete das Gesundheitsministerium es als unfair, diesen Zusammenhang herzustellen. Das Thema sei bereits im Parlament zur Sprache gebracht worden - mehrere Abgeordnete hätten von einer Verschwörung gesprochen.

Hintergrund

Wie berichtet hatten Forscher der britischen Universität Cardiff in der Fachzeitschrift "The Lancet" geschrieben, dass Enterobakterien mit dem Resistenz-Gen "New Delhi metallo-β-lactamase 1" (NDM-1) die große Gefahr bergen, "zu einem weltweiten Gesundheitsproblem zu werden". Ursache der neuen Verbreitung sei der Tourismus in Sachen Schönheitsoperationen: Weil mehr und mehr Europäer und Amerikaner zu Schönheits-OPs nach Indien reisten, sei es wahrscheinlich, dass sich die Bakterien weiter ausbreiten.

Zurückweisung

Das indische Gesundheitsministerium hat die Studie als Aufsehen heischend beschrieben. Ein Beamter erklärte, dass es unfair sei, NDM-1 mit Indien in Verbindung zu bringen und den Menschen Angst zu machen. Das mit der Resistenz gegen Antibiotika in Zusammenhang gebrachte Gen komme in der Umwelt vor. Es könnte sich im Darm von Menschen und überhaupt in Tieren befinden, erklärte das Ministerium laut BBC in einer Presseaussendung. Von offizieller Seite wurde weiters argumentiert, dass sich ein Mensch auf der ganzen Welt mit solchen "Superbakterien" infizieren könnte. Das Ministerium verwehrt sich zudem dagegen, dass NDM-1 als "New Delhi metallo-β-lactamase 1" bezeichnet wird.

Infektionen aus Australien gemeldet

Indessen berichtete ein Krankenhaus in Canberra, dass bei drei Australiern Bakterien mit dem Resistenz-Gen NDM-1 festgestellt worden seien. Der Arzt und Infektiologe Peter Collignon warnte am Freitag vor einer weiteren Ausbreitung derartiger Infektionen. Er selbst behandelte nach eigenen Angaben einen der Infizierten, die weiteren Patienten befinden sich im Bundesstaat Queensland und in New South Wales. Collignons Patient habe sich kürzlich in Mumbai einer Schönheits-Operation unterzogen. Ein anderer habe sich in allgemeiner Umgebung infiziert. (pte/APA/red)

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