UNO bestätigte Ausbruch von Cholera

14. August 2010, 13:13
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Regierung sieht mittlerweile 20 Millionen durch Hochwasser betroffen - Österreichischer Katastrophenhelfer am Weg ins Krisengebiet

Islamabad - Die Vereinten Nationen haben erstmals den Ausbruch der Cholera im pakistanischen Hochwassergebiet bestätigt. Nach ausführlichen Untersuchungen sei bei einem Patienten in Mingora im Swat-Tal zweifelsfrei Cholera diagnostiziert worden, erklärte UN-Sprecher Maurizio Giuliano am Samstag. Zudem gebe es mehrere Verdachtsfälle. Hilfsorganisationen hatten bereits in den vergangenen Tagen von Cholera-Fällen in der Region berichtet. Die Krankheit kann zu Austrocknung und bei Nicht-Behandlung zum Tod führen.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" sah unterdessen noch keine Anzeichen für eine Cholera-Epidemie in den überfluteten Gebieten Pakistans. "In Pakistan gibt es immer wieder Fälle von Cholera. Derzeit haben wir aber keine alarmierenden Zahlen", sagte der Präsident der deutschen Sektion der Hilfsorganisation, Tankred Stöbe. Entwarnung könne er aber nicht geben. "Die Situation ist unsicher, weil wir nicht wissen, wie es weiter geht."

Neue Flutwelle

Die Bestätigung kam zeitgleich mit einer neuen Flutwelle im Süden des Landes. Mittlerweile seien 20 Millionen Menschen durch die Überschwemmungen obdachlos, sagte Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani in einer Fernsehansprache am Samstag. Zuvor hatten die Vereinten Nationen unter Berufung auf Regierungskreise von etwa 14 Millionen Menschen gesprochen, die direkt oder indirekt betroffen seien. Gilani führte in seinen jüngsten Erläuterungen nicht aus, wie viele der von ihm genannten Menschen gezwungen wurden, ihre Häuser zu verlassen und wie viele sie durch das Wasser ganz verloren haben.

Neue Flutwellen hätten den Indus in der südlichen Region Sindh am Samstag zum Ansteigen gebracht, sagte der Meteorologe Mohammed Ajmal Shad. Dadurch würden dort nahe gelegene Städte, Dörfer und Siedlungen bedroht. An einigen Stellen ist der Indus bereits 25 Kilometer breit, das ist 25 Mal mehr als während einer normalen Monsun-Saison.

Gilani verteidigte die Haltung der Regierung gegenüber der Katastrophe in seiner Rede. "Diese Naturkatastrophe hat Zerstörung in einem solchen Ausmaß gebracht, dass die Hilfe der Regierung ungenügend aussieht." Vor allem der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari war in die Kritik geraten, weil er trotz der schlimmsten Überschwemmungen in Pakistan seit 83 Jahren seine Besuche in Großbritannien und Frankreich fortgesetzt hatte. Vor zwei Tagen hatte er erstmals die Hochwassergebiete besucht.

Dilemma nach indischen Hilfsangebot

Unterdessen hat Indien mit seinem Hilfsangebot den Erzfeind Pakistan in ein Dilemma gestürzt. Die pakistanische Zeitung "Dawn" berichtete unter Berufung auf Regierungsquellen in Islamabad, das Angebot des Nachbarstaats sei nicht umgehend abgelehnt worden. Es werde demnächst entschieden, wie damit umzugehen sei. Die pakistanische Regierung hat mehrfach an das Ausland appelliert, das Land wegen der Jahrhundertflut finanziell stärker zu unterstützen.

"Dawn" berichtete weiter, der indische Außenminister S.M. Krishna habe seinem pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi bei einem Telefonat fünf Millionen Dollar (3,91 Mio. Euro) Fluthilfe angeboten. Das sei eine "Geste der Solidarität mit dem pakistanischen Volk in dessen Stunde der Not". Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Anfang 2004 nahmen die beiden südasiatischen Atommächte Friedensgespräche auf, die aber seit der Terrorserie von Mumbai auf Eis liegen.

Die USA haben ihre Anstrengungen zur Unterstützung Pakistans verstärkt und 70 Millionen Dollar (54,7 Mio. Euro) an Hilfsgeldern zur Verfügung gestellt. Außerdem werden die US-Streitkräfte Hubschrauber für Rettungs- und Versorgungsflüge schicken. Washington will damit etwas für das eigene Ansehen in dem geschundenen Land tun, das für den Kampf gegen die Taliban eine große Rolle spielt.

Regierungsmitglieder wollten im Laufe des Tages in den Hochwassergebieten über die Lage informieren und vor weiteren Flutwellen warnen. Außerdem wird UN-Generalsekretär Ban Ki Moon möglicherweise bereits am Wochenende zu einem Besuch erwartet.

Die UNO hatte ihre mehr als 190 Mitgliedstaaten in einem Appell zu Sofortzahlungen in Höhe von 460 Millionen Dollar (359 Mio. Euro) für Pakistan aufgefordert. Für den langfristigen Wiederaufbau des Landes werden nach Einschätzung der UN sogar Milliarden Dollar benötigt.

Caritas-Helfer auf dem Weg nach Pakistan

Unterdessen hat sich die Caritas Österreich entschlossen, Katastrophenhelfer Thomas Preindl nach Pakistan zu entsenden. "Uns geht es jetzt darum, möglichst rasch möglichst viele Nothilfepakete mit Lebensmitteln, Wasserreinigungstabletten, Decken, Hygieneartikeln und so weiter zu den Menschen im Katastrophengebiet zu bringen", so Preindl. "Vor allem der Zugang zu sauberem Trinkwasser bewahrt die Menschen vor lebensgefährlichen Krankheiten."

Der gebürtige Innsbrucker wird am Sonntag ins pakistanische Katastrophengebiet aufbrechen und dort das internationale Caritas-Team bei den Hilfsmaßnahmen unterstützen. In Pakistan war der erfahrenen Katastrophenhelfer bereits nach dem Erdbeben im Oktober 2005 im Einsatz. Auch nach dem Erdbeben in Haiti verstärkte der 43-Jährige das lokale Hilfsteam. (APA/apn)

  • Tausende Menschen sind auf der Flucht aus dem Süden des Landes.
    foto: epa/nadeem khawer

    Tausende Menschen sind auf der Flucht aus dem Süden des Landes.

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