Pentagon warnt vor Veröffentlichung weiterer Afghanistan-Papiere

13. August 2010, 07:39
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Pentagon-Sprecher: WikiLeaks begeht großen Fehler - Assange: Man sei zur Veröffentlichung verpflichtet

Washington - Das US-Verteidigungsministerium hat die Enthüllungsplattform WikiLeaks vor der Veröffentlichung weiterer Dokumente über den Krieg in Afghanistan gewarnt. Pentagonsprecher Geoff Morell sprach nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN vom Donnerstag in Washington von einem "Fehler", der bereits zu viele Menschenleben in Gefahr gebracht habe. Das einzig verantwortliche Vorgehen für WikiLeaks sei es, "alle gestohlenen Dokumente von ihrer Webseite zu entfernen und alles geheime Material aus ihren Computern zu löschen". Die Publizierung weiterer Geheimpapiere wäre "der Gipfel der Verantwortungslosigkeit".

Der Chef der Webseite, Julian Assange, hatte am Donnerstag über eine Videoverbindung angekündigt, WikiLeaks wolle demnächst rund 15 000 weitere Dokumente veröffentlichen. Man sei etwa durch die Hälfte dieser Papiere durch, sagte er. Einen Zeitpunkt für die Publizierung nannte Assange nicht: "Das ist eine sehr aufwendige Arbeit." Er sehe sich weiterhin gänzlich zur Veröffentlichung der Dokumente verpflichtet.

Derweil haben einige Menschenrechtsorganisationen die Plattform darauf aufmerskam gemacht, dass die volle Namensnennung von Zivilisten deren Tod bedeuten könne. Am Donnerstag hatte die internationale Menschenrechtsorganisation "Reporters sans frontières" (RSF, "Reporter ohne Grenzen") Assange einen Brief geschrieben, in dem sie ihm und seinen Mitarbeitern "unfassbare Verantwortungslosigkeit" vorwerfen. Die Identität jener Menschen öffentlich zu machen, die mit den internationalen Streitkräften in Afghanistan zusammengearbeitet hätten, könne deren Todesurteil bedeuten. WikiLeaks habe ein Präzedenzfall geschaffen, der Schule machen könne. Diese Unbedachtheit gefährde Informanten und eigene Quellen und darüber hinaus das Internet als ein Ort der Informationsweitergabe, kritisierte RSF in dem Brief.

Auch andere Organisationen sollen darum gebeten haben, sämtliche Namen von Zivilisten aus den Dokumenten zu entfernen, darunter "Innocent Victims in Conflict", "Amnesty International-Afghanistan" und das "Open Society Institute". Die Aufzählung von Namen gebe den Taliban eine Liste von potentiellen Opfern in die Hände.

WikiLeaks hatte Ende Juli mehr als 76 000 Seiten geheimer Kriegsaufzeichnungen aus Afghanistan veröffentlicht. Das Pentagon leitete Ermittlungen ein, um herauszufinden, wer der Enthüllungsplattform die Dokumente zugespielt hat. (red/APA, derStandard.at, 13.8.2010)

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    Julian Assange.

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