Licht und Schatten der Medaillen

12. August 2010, 19:43
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Beispiel Silber: Rogan am Boden, Färinger Joensen beglückt, Biedermann hinterfrägt

Budapest - Verschiedene Farben haben verschiedene Strahlkraft, Glanz und Symbolik. Vor allem die Farbtöne Gold, Silber und Bronze lassen auch verschiedene Interpretationen zu.

Markus Rogan hatte mit Silber über 200 m Lagen, der ersten österreichischen Medaille bei der EM in Budapest, so seine Probleme. "Das war die härteste Vorbereitung auf einen Wettkampf, die ich je absolviert habe. Ich habe geglaubt, wenn ich mehr gebe, kriege ich mehr. Diese Schlussfolgerung war falsch", sagte der 28-jährige Wiener nach dem Wettkampf, tief im Sofa in der Lobby des Teamhotels versunken.

Mit dem selbstauferlegten Druck ("Es zählt nur Gold") konnte Rogan laut eigenen Angaben umgehen. Gegen den ungarischen Lokalmatador László Cseh war aber der neue österreichische Rekord von 1:58,03 Minuten um drei Zehntel zu wenig, der 24-Jährige sorgte für Ungarns erste Goldmedaille in Budapest.

"Es war nicht mein bestes Rennen, aber es hat gereicht", sagte Cseh, der sich über diese Distanz zum dritten Mal en suite den EM-Titel holte. Eine Party gab es danach nicht. "Am Sonntag habe ich noch ein schwieriges Rennen." Über 400 m Lagen, die auch Dinko Jukic in Angriff nehmen wird, wäre es bereits das vierte EM-Gold in Folge.

Rogan hat die 200 m Rücken 2004 und 2008 gewonnen. Allerdings litt die Vorbereitung für das Rennen in Budapest (Finale am Samstag) unter dem Fokus auf die 200 m Lagen. "Wurscht, diesem Rennen gilt jetzt meine volle Konzentration", sagte Rogan. Alles andere als ein Sieg wäre, da bleibt er konsequent, eine Niederlage. Am Sonntag will er entscheiden, ob er sein Training in Los Angeles oder woanders fortsetzen wird.

Der Deutsche Paul Biedermann hingegen empfand Silber über 400 m Kraul nicht als Niederlage - aber erst, nachdem er am Mittwoch über 200 m gesiegt hatte. "Man muss in Deutschland auch mal hinterfragen, ob nur Gold zählt oder ob nicht auch mal eine Silbermedaille schön ist", sagte der 24-Jährige. Sein zweiter Platz hatte zunächst medial unförmige Wellen geschlagen, zu verwöhnt war man ob der beiden WM-Titel in Rom 2009.

Der Farbenlehre nicht genug, glänzte über die 1500 m Kraul nicht der französische Sieger Sébastien Rouault am hellsten, sondern der silberne Pál Joensen. Der 19-jährige Färinger aus dem 1500-Seelen-Ort Tvoroyri auf der Insel Suðuroy sorgte für die erste EM-Medaille seines Landes. "Dabei kann ich zu Hause nur auf der Kurzbahn trainieren", sagte der Student. "Wir haben dort kein einziges 50-m-Becken." Über 800 m Kraul schwamm Joensen als Vorlaufvierter ins heutige Finale. (David Krutzler aus Budapest; DER STANDARD Printausgabe 13. August 2010)

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