Bin Ladens Koch, zu 14 Jahren Haft verurteilt

12. August 2010, 19:20
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Al-Kaida-Terrorist Ibrahim Ahmed Mahmud al-Qosi

Ibrahim Ahmed Mahmud al-Qosi hat zugegeben, Osama Bin Laden bei der Flucht vor US-Soldaten aus der Bergregion Tora-Bora geholfen zu haben. Ein US-Militärgericht in Guantánamo verkündete am Donnerstag das Strafausmaß für den ehemaligen Koch, Leibwächter und Fahrer des Al-Kaida-Führers: 14 Jahre Haft. "Na'am", murmelte al-Qosi, "Yes", sagte der Übersetzer auf die Frage, ob der Angeklagte freiwillig und ohne jeden Druck zu seinen Aussagen gegenüber den Anklägern und seinem Schuldbekenntnis gekommen sei.

1960 in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum geboren, wuchs al-Qosi in einer religösen Familie auf, die viel Wert auf regelmäßige Besuche von Moscheen legte. Dort widmete er seine Zeit dem Koranstudium. "Er fühlte sich nur seiner Religion verpflichtet", sagte al-Qosis jüngerer Bruder Abdullah später. Im Jahr 1989 schloss sich Ibrahim al-Qosi der Terrororganisation Al-Kaida an. Er reiste nach eigenen Angaben Anfang der 1990er-Jahre vom Sudan nach Afghanistan, um in den Jihad zu ziehen.

Im Al-Faroug Camp, einem Trainingslager für Terroristen, lernte er unter anderem, Bomben zu bauen. Im Dezember 1991 wurde er - zurück in Khartoum - als Buchhalter für Bin Laden eingesetzt. Der Terrorchef hielt sich ja Anfang der 90er-Jahre im Sudan auf. Die Amerikaner vermuten, dass al-Qosi auch als Fahrer und Leibwächter Bin Ladens eingesetzt wurde.

1996 folgte er jedenfalls seinem Boss nach Afghanistan. In Tora-Bora war er unter anderem für die Zubereitung von Speisen für Bin Laden verantwortlich.

Ibrahim al-Qosi wurde im Dezember 2001, nach den Anschlägen in den USA, im Zuge der US-Mission "Absolute Gerechtigkeit" - verschiedenen Angaben zufolge entweder in Afghanistan oder in Pakistan - festgenommen und in das Lager Guantánamo auf Kuba gebracht - als einer der ersten Gefangenen. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, an Kriegsverbrechen teilgenommen zu haben, dazu zählten Angriffe auf Zivilisten.

Das Urteil gegen al-Qosi ist das erste gegen einen Guantánamo-Häftling, seit US-Präsident Barack Obama im Amt ist. Obama hatte die umstrittenen Sondertribunale in Guantánamo vorübergehend ausgesetzt und erreicht, dass die Angeklagten mehr Rechte erhalten. Ursprünglich wollte er das Lager bereits Anfang 2010 schließen. Al-Qosi könnte nun aber frühzeitig entlassen und in den Sudan abgeschoben werden. (Sahel Zarinfard/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

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    Ibrahim Ahmed Mahmud al-Qosi

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