Totgesagte

12. August 2010, 19:22
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In zwei Bezirken, die als grüne "Bobostans" gelten können, sind die Grünen im Begriff, sich selbst in die Luft zu sprengen

Seit fast 25 Jahren wird den Grünen der Untergang prophezeit, und sie haben es doch überstanden. Was nicht heißt, dass es einmal nicht doch passieren kann. Zum Beispiel jetzt. Grünwähler sind zum Teil (von der SPÖ) enttäuschte Linke, in etwas geringerer Zahl von der ÖVP enttäuschte liberale Bürgerliche und in beträchtlicher Anzahl freischwebende Menschen mit liberalem Lebensstil und liberalen politischen Ansichten; "Bobos" (Bourgoise Bohemiens). Lebenskünstler mit Leistungskomponente.

In zwei Wiener Bezirken, die als grüne "Bobostans" gelten können, sind sie im Begriff, sich selbst in die Luft zu sprengen. Das kann/wird die Wiener Wahl entscheidend verhageln und kann in der Folge auch auf Bundesebene üble Folgen haben.

Grün wählt man zwar aus einer Haltung heraus - "gegen rechts" und gegen die Anbiederung von ÖVP und SPÖ an die FPÖ in der "Ausländerfrage". Aber irgendwann will man auch, dass die Grünen gestalterisch tätig werden können, d. h. irgendwo nennenswert mitregieren.

In Wien ist die Chance dafür jetzt so gut wie weg. Im Bund hat sie rein wahl-arithmetisch noch kaum je bestanden. Und wenn einer wie Gusenbauer eine Minderheitsregierung mit Grün (allerdings auch mit Blau) wagen will, drehen der Bundespräsident und die "grüne Basis" ("rein bleiben, ja keine Verantwortung übernehmen") die Sache ab. Totgesagte leben manchmal doch nicht länger. (Rau, DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

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    Foto: APA/Rieder
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