Faule Ausreden

12. August 2010, 19:07
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Nicht der Wind ist an den Bränden Schuld, sondern veraltete Infrastrukturen, verpatzte Reformen etc. etc.

Gegen den Wind kann man nicht Klavier spielen" , lautet eine alte Seglerweisheit. Ganz klar, das Wetter lässt sich nicht beeinflussen. Und gegen die längste Hitzeperiode seit 130 Jahren gibt es schon gar kein Mittel. Die anormale Hitzewelle war aber nicht, wie von Regierungschef Wladimir Putin behauptet, Ursache, sondern lediglich Auslöser der Brandkatastrophe.

Veraltete Infrastruktur, eine verpatzte Wald- und Feuerwehrreform, Korruption und das nicht vorhandene Umweltbewusstsein in der Bevölkerung sind die wahren Gründe für die Eskalation der Brände. So gibt es in ganz Russland nur vier Amphibienlöschflugzeuge, die Zahl der Forstarbeiter ist seit 2007 von 70.000 auf 12.000 gesunken, die Spezialeinheit Awialesochrana schrumpfte seit den 90ern von 9000 auf 1800 Feuerwehrmänner. Einige Gouverneure weilten im Urlaub, während die Dörfer niederbrannten.

Für ein Land, das sich als Großmacht bezeichnet, ist der Umgang mit den Bränden ein Armutszeugnis. Fraglich ist zudem, ob die Elite Lehren aus den Bränden ziehen wird. Vermutlich werden einige Beamte in den Regionen geopfert, Entschädigungen verteilt und eine neue föderale Forstbehörde gegründet werden - alles gut. Das Versagen der regionalen Verwaltungen wird zudem Putin ein Argument mehr liefern, warum die Dezentralisierung in Russland nicht funktionieren kann und die ganze Macht weiterhin in Moskau konzentriert werden muss. (Verena Diethelm, DER STANDARD-Printausgabe, 13.08.2010)

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