Kampagne für Saddams inhaftierten Ölminister

12. August 2010, 19:00
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US-Waffeninspektor beschuldigt Iraks Regierung, Korruption vertuschen zu wollen

Washington/Bagdad/Wien - Ein prominenter US-Waffeninspektor setzt sich für Saddam Husseins letzten Ölminister ein und beschuldigt dabei die jetzige irakische Regierung, durch dessen Inhaftierung Profiteure der irakischen Korruptionswirtschaft unter Saddam schützen zu wollen: Charles Duelfer, jahrelanger Vizechef der Uno-Waffenkommission und nach 2003 der Chef der US-Waffensucher im Irak, beginnt eine Kampagne zur Freilassung von Amr Rashid, der seit 2003 in Haft ist. Rashid ist, wie andere Regimehäftlinge, vor kurzem aus dem Gewahrsam der US-Armee an die irakischen Behörden übergeben worden. Duelfer verlangt seine Freilassung.

Duelfer war nach dem Sturz Saddams als Chef der amerikanischen "Iraq Survey Group" der Nachfolger von David Kay, der bald nach 2003 entnervt den Job abgegeben hatte, als sich abzeichnete, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen zu finden sind. Rashid war Duelfers Konterpart auf irakischer Seite gewesen. Duelfer räumt in seinem Artikel in der aktuellen Nummer von Foreign Policy auch mit diversen Legenden auf, die die Irak-Kriegsapologeten auch heute noch weiterspinnen: Es gab 2003 keine irakischen Massenvernichtungswaffen, der Irak hatte seine Programme bereits 1991 eingestellt und, was übrig war, zerstört.

Wer einmal lügt ...

Gelogen hatten die Iraker jahrelang (genau genommen nur bis 1995) über die Ausmaße ihrer vergangenen Programme. Der Wissensstand der Uno-Inspektoren von 1998 entsprach im Wesentlichen dem, was 2003 herauskam.

Brisant ist die Wortmeldung Duelfers jedoch vor allem, weil er klar sagt, dass Rashid deshalb ohne Prozess seit sieben Jahren im Gefängnis sitzt, weil seine Aussagen Mitgliedern der jetzigen ira-kischen Führungsschicht scha-den könnten. Konkret spricht er von Kurdenpolitikern, die vor 2003 am Ölschmuggel zwischen dem Irak in die Türkei und in den Iran mitschnitten. Das ist im Grunde nichts Neues, aber kommt von Duelfer, dem Anti-Saddam-Hardliner und Kriegsbefürworter von 2003 in dieser Offenheit unerwartet. Duelfer nennt sogar den Namen des Präsidenten der kurdischen Regionalregierung, Massud Barzani.

Duelfer, der Rashid nach 2003 mehrmals verhörte, berichtet unter dem Titel Der Iraker, der zu viel wusste über dessen Berichte über ausländische Profiteure durch Ölgeschäfte. Österreicher kommen bei Duelfer nicht vor. Aber er schießt sich scharf auf die russische Führung ein, "wo die Ölgeschenke die höchsten Ebenen der Regierung erreichten" . Im Gegensatz zu anderen Ländern sei das in Russland von der Justiz nie bearbeitet worden. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

 

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    Amr Rashid, ohne Prozess in Haft.

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